Zur Sache: Qualität kostet

Auch nach dem Abflauen des ersten Medienhypes ist das iPad in aller Munde. In Verlegerkreisen glaubt man fest daran, dass es mittels des neuen Gadgets von Apple erstmals möglich sein werde, mit redaktionellen Web-Inhalten Geld zu verdienen. Ich glaube das auch, aber es gibt doch noch einige wichtige Punkte zu bedenken.

Die erste Gefahr liegt darin, dass im Hauruckverfahren – nur um dabei zu sein – kostenlose Apps auf den Markt geworfen werden, in der Meinung, dann diese irgendwann kostenpflichtig zu machen. Glauben denn die entsprechenden Verleger wirklich, dass dies realistisch ist? Das Beispiel des Internets sollte eigentlich allen klar genug zeigen, dass das nicht möglich ist. Einmal gratis – immer gratis, so einfach ist es.

Wenn man gutgemachte, kostenpflichtige Medien-Apps wie Spiegel, Iconist oder Paris Match – um nur drei Beispiele zu nennen – betrachtet, merkt man sehr schnell, dass der Aufwand, diese regelmässig mit Inhalt zu füttern, sehr gross ist. Ich meine hier nicht den technischen Aufwand, der hält sich eigentlich in Grenzen. Ich spreche hier vom redaktionellen Aufwand. Es geht nicht nur darum, gute Geschichten zu haben, diese müssen auch optimal aufbereitet sein, wenn man dafür Geld verlangen will. Die Qualität muss stimmen. Die traditionelle Internet-Bildergalerie zum Durchklicken mit irgendwelchen Stockfotos oder unscharfen Leserfotos genügt diesen Ansprüchen nicht. Auch unscharfe Filmchen und verwackelte Newsbeiträge funktionieren zwar in der Gratiswelt des Internets, in der qualitativ wertigeren iPad-Welt wirken sie nur noch unbedarft und billig. Notabene gilt das auch für den Text. Die im täglichen Kampf um die Zeit leider oft doch sehr schludrig verfassten Online-Texte werden vielleicht in der schnelllebigen Internet-Welt goutiert, in der entspannten Mediennutzungsumgebung des iPad stören sie immens.

Zu glauben, solch hochstehende Inhalte kostengünstig gewissermasssen nebenbei herstellen zu können ist naiv. Nur Medienhäuser, die bereits schon den Zugriff auf gute Fotos und Bewegtbilder haben, werden in der Lage sein, Apps zu entwickeln, für die der Medienkonsument bereit ist, etwas zu bezahlen. Vergessen wir nicht, die Gratiswelt des Internets liegt nur einen Fingerdruck weit weg.

Das alles aber kostet Geld. Je nachdem sogar viel Geld. Um diese Kosten refinanzieren zu können braucht es also die entsprechende Anzahl von Käufern. Diese im kleinen Schweizer Markt zu finden, wird nur dann möglich sein, wenn die Inhalte wirklich gut und sonst nirgends kostenlos zu haben sind. Keine einfache Voraussetzung.

Pierre C. Meier, Chefredaktor

pc.meier@werbewoche.ch

Mi 11.08.2010 - 09:48

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