Zur Sache: Einmischung garantiert

Seit 2006 schreibt die SRG rote Zahlen. Betrug der Verlust 2009 noch 46,6 Millionen Franken, wird er dieses Jahr auf wahrscheinlich auf 75 Millionen Franken ansteigen. Einer der Gründe sind die Zusatzkosten durch die Olympischen Winterspiele und der Fussball-Weltmeisterschaft.

Der Betriebsertrag betrug im letzten Jahr 1,56 Milliarden Franken, was eigentlich nicht gerade wenig ist. Die Verlustzahlen signalisieren Handlungsbedarf. Sparen ist angesagt. Die SRG weist zwar darauf hin, dass seit 2005 mehrere Sparrunden durchexerziert wurden, die einem nachhaltigen Volumen von 100 Millionen Franken entsprechen würden. Das mag ja sein, aber in jedem anderen Unternehmen muss auch gespart werden, wenn entweder die Einnahmen sinken oder die Ausgaben steigen. Das Mitleid hält sich also in Grenzen.

Stossend ist die Tatsache, dass die SRG die Hauptursachen ihrer desolaten Situation in Faktoren sieht, die sie nicht beeinflussen könne. So heisst es im Finanzbericht, den sie Ende November 2009 dem Bundesrat einreichte. Es geht da um die Teuerung, um überproportional wachsende Kosten für die Rechte an Sportübertragungen, die rasante technische Entwicklung, den Einbruch der Werbemassnahmen, sowie die allgemeine demografische und sozialpolitische Entwicklung. Mit Verlaub: Diese Argumentation zeugt nicht gerade von einem betriebswirtschaftlich orientierten Verhalten. Kein Unternehmen, egal in welcher Branche, kann sich bei Verlusten einfach darauf hinausreden, dass sich die äusseren Umstände halt leider so entwickelt hätten und man deshalb eigentlich gar nichts machen könne. Ein Unternehmensleiter, der so etwas tun würde, würde sich nicht nur zum Gespött der Medien machen, er würde auch abgestraft werden und müsste seinen Posten räumen.

Jetzt kann man einräumen, dass man das bei einem öffentlich-rechtlichen Unternehmen, das mit seinem Service public einen Leistungsauftrag erfüllen muss, nicht so eng sehen könne. Mag ja sein.

Aber ein wenig mehr Fingerspitzengefühl wäre schon angebracht. Die Gehaltserhöhung des abtretenden Generaldirektors gehört in dieses Kapitel.

Kein Wunder, dass sich im Parlament Widerstand regt. Der Nationalrat will den Bundesrat entmachten, der die Radio- und Fernsehgebühren bis anhin festlegte. Eine diesbezügliche parlamentarische Initiative wurde angenommen. In Zukunft soll das Parlament die Höhe der Gebühren festlegen. Da können wir uns auf etwas gefasst machen. Das parteipolitische Gezänk wird kein Ende nehmen und es ist zu befürchten, dass das Parlament mit dem Druckmittel der Gebühren sich auch noch in die Programmgestaltung einmischen wird. Na dann Prost!

Pierre C. Meier, Chefredaktor

pc.meier@werbewoche.ch

Mi 16.06.2010 - 09:12

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