Bier für die Welt

Mit einem speziellen Meerwasser-Bier versucht eine kleine bolivianische Brauerei, Brücken zum Nachbarn Chile zu schlagen.

Bolivien ist ein Binnenstaat. Ein unzufriedener Binnenstaat, um präzise zu sein. Denn bis 1879 hatte das Land einen eigenen Meerzugang. Nach dem sogenannten Salpeterkrieg musste Bolivien – nebst 120'000 Quadratkilometern Festland – 400 Kilometer Pazifikküste an Chile abtreten. Das schmerzt und verärgert bis heute, denn das Land hatte nur diese 400 Kilometer Küste.

Seither befinden sich die beiden Länder im Streit. Bolivien fordert bis heute einen eigenen Meerzugang und will den Erzfeind auf dem Gerichtsweg an den Verhandlungstisch zwingen. Chile hingegen denkt nicht daran, das eigene Hoheitsgebiet wieder an den Nachbarn abzutreten (mehr zum Thema u.a. im Artikel und Video «Boliviens Traum vom Zugang zum Meer und wie die Schweiz dabei helfen kann» auf Nzz.ch; 12.4.2018).

Die Chance auf eine baldige Einigung? Gering. Andere Wege könnten zielführender sein. Die Agentur Raza Ad hat für die kleine bolvianische Craft-Brauerei Franka ein – wortwörtliche – Bieridee entwickelt, welche die beiden Bevölkerungen vereinen soll. Nicht am Verhandlungs-, sondern am Beizentisch. Franka braute zum jährlichen bolivianischen «Meerestag» am 23. März ein Spezialbier aus Meerwasser. Dem Wasser, um welches die beiden Länder seit vielen Jahren streiten. Franka fuhr die über 1500 Kilometer an die chilenische Küste, um das Wasser, welches danach destilliert wurde, zu gewinnen. Getrunken wurde das Bier von Bolivianern und in Bolivien lebenden Chilenen am selben Tisch.

 

Die Aktion erregte trotz des geringen Budgets viel Medienaufmerksamkeit. Und sorgte für Gesprächsstoff: Vielleicht kommt man schneller ans Ziel, wenn man sich die Hände reicht und zusammen ein Bier trinkt?

Ob Kampagnen wie diese – bis auf den PR-Effekt für die Brauerei – am Ende wirklich etwas bringen, ist eine andere Frage. Denn kein Bier der Welt ändert etwas an der Tatsache, dass Bolivien einen Landanspruch an Chile erhebt und Chile sich das nicht gefallen lassen will. (hae)

So 10.06.2018 - 11:23

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