Laue Weihnachten

Das britische Weihnachts-Schwergewicht John Lewis hat den diesjährigen Spot veröffentlicht. Die Reaktionen sind durchzogen.

Alle Jahre wieder warten die Zuschauer sehnsüchtig auf die Weihnachtsspots. Sie sind oft lang, herzerweichend und bieten emotionales Storytelling, das Festtagsstimmung aufkommen lässt. Besonderes Augenmerk gilt jeweils der britischen Kaufhauskette John Lewis. Diese hat sich zusammen mit der Londoner Agentur Adam&Eve DDB seit 2009 zum eigentlichen Weihnachts-Dream-Team entwickelt. «Monty the Penguin» 2014, «#ManOnTheMoon» 2015 und «#BusterTheBoxer» 2016 sind bereits heute Werbeklassiker, die nicht nur ein Millionenpublikum im zweistelligen Millionenbereich (YouTube) begeistert haben, sondern auch die Award-Jurys dieser Welt.

Die Erwartungen werden durch solche Vorlagen natürlich nicht kleiner. «#MozTheMonster», die diesjährige Kampagne, erzählt die Geschichte des berühmten Monsters unter dem Bett, vor dem sich Kinder oft fürchten. Das Monster Moz ist jedoch liebenswürdig, tollpatschig und wird schnell zum guten Freund des Jungen.

 

Liest man sich durch die YouTube-Kommentare, stellt man schnell fest: Viele Zuschauer sind enttäuscht und haben sich mehr erhofft. Eigentlich gibt es fast nur negative Rückmeldungen. Das ist selten, normalerweise finden die Zuschauer unter den Weihnachtsspots kaum Worte, um ihre emotionale Begeisterung auszudrücken.

Diesmal wird über Hautfarben-Klischés, über das (unbestätigte) Kampagnenbudget von sieben Millionen Pfund, über die pädagogisch scheinbar fragwürdige Monster-Thematik, über die Eltern, welche ihrem Sohn durch ein materielles Geschenk den Fantasie-Freund rauben, über immer länger werdende Online-Webespots, über jährlich schlechter werdende Weihnachtskampagnen, gemeckert.

Dabei trägt der Spot die Handschrift des französischen Regisseurs Michel Gondry, der nicht nur Oscar-Gewinner ist, sondern auch für zahlreiche Werbeklassiker verantwortlich zeichnet. Der Anfang der 90er-Jahre kreierte Levi's-Spot «Drugstore» gehört zu den meistaugezeichneten Werbespots der Geschichte. Mit Gondry arbeitet Adam & Eve DDB seit Februar an der Kampagne, die unter anderem auch noch einen Online-Monster-Generator bietet: Johnlewismonstermaker.com.

Als wären das negative Feedback der Zuschauer nicht genug, geriet John Lewis nun auch noch unter Beschuss von der Bewegung #StopFundingHate, welche Werbeauftraggeber kritisiert, welche in Medien Anzeigen schalten, welche nach Ansicht der Inititianten Angst und gesellschaftliche Spaltung fördern, um die Auflage zu steigern.

 

 

Etwas viel Mo(t)z für ein – unter dem Strich – eigentlich ganz liebenswürdiges Monster. (hae)

Fr 10.11.2017 - 11:57
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Kommentare

Ich finde den Spot sehr schön gemacht, aber alle Effekte und toll gemachten Monster können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Story einfach keinen Sinn macht. Zunächst wird das Monster zum guten Freund und dann nehmen die Eltern diesen Weg mithilfe einer popeligen Nachtlampe!? Wo ist da der Sinn?

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