Stiftung Zürcher Journalistenpreis vergibt vier Auszeichnungen

Rita Flubacher, Wirtschaftsredaktorin beim Tages-Anzeiger, NZZ-Reporterin Anja Jardine, Annabelle-Redaktorin Claudia Senn und WOZ-Redaktor Daniel Ryser sind mit dem Zürcher Journalistenpreis 2017 geehrt worden. Sie erhielten je 10'000 Franken. Ab dem nächsten Jahr wird der Preis auf die ganze Deutschschweiz ausgedehnt.

Die von Hannes Britschgi geleitete Jury des Zürcher Journalistenpreises hat den Preis fürs Gesamtwerk an Rita Flubacher vergeben. Die 1951 geborene Tages-Anzeiger-Redaktorin sei «die vermutlich furchtloseste Wirtschaftsjournalistin weit und breit», schreibt Jürg Ramspeck in seiner Laudatio. Als sie bei der Weltwoche gearbeitet habe, habe sie sich nicht gescheut, gegen die Hausbank des Verlegers zu schreiben. Über diesen Verleger, Werner K. Rey, habe sie auch ein Buch geschrieben, das zur «brillanten, messerscharfen Abrechnung mit Hybris und Spiegelfechterei in der Finanzwirtschaft» geraten sei. Rita Flubacher hat sich ausgezeichnet als eine genaue Rechercheurin, die es versteht, dem Publikum in einfacher Sprache wirtschaftliche Zusammenhänge und das Handeln der Exponenten verständlich zu machen.

 

Andrea Masüger, Präsident Stiftung Zürcher Journalistenpreis, begrüsst im Kaufleuten in Zürich Gäste aus Wirtschaft, Politik und Medien. «Der Begriff Fake-News hat dem Journalismus schlagartig aufgezeigt, welche Wirkung die gute alte und vergleichsweise harmlose Zeitungsente im Zeitalter von Social Media haben kann», so Masüger. «Diese Erkenntnis vermag die Gratiskultur und die Einstellung, dass News und journalistische Leistungen heute oft kostenloses Allgemeingut sind, vielleicht etwas zu relativieren.»

 

Mit dem Artikel «Blick in den Maschinenraum» ist NZZ-Autorin Anja Jardine nach Ansicht der Jury ein berührender Text über sich und ihre Familie gelungen, welcher ihre Erinnerungen nüchtern, zuweilen lakonisch, aber immer sehr präzis vermittle.

 

Jurymitglied Alain Zucker überreicht NZZ-Redaktorin Anja Jardine die Urkunde des Zürcher Journalistenpreis für Ihren Artikel «Blick in den Maschinenraum» über die grossen Themen Tod, Schmerz, Liebe und Leben. «Anja Jardine macht etwas, worüber Journalisten gerne die Nase rümpfen. Sie schreibt über sich selber, ihre Familie und erst noch in Ich-Form», so Zucker. «Viele nennen das Betroffenheitsjournalismus.» Anja Jardine aber schaffe es, «aus der eigenen Erfahrung das Allgemeingültige zu ziehen, alleine, indem sie präzis beschreibt, was passiert und wie sich das anfühlt.»

 

Daniel Ryser, Redaktor bei der WOZ, hat die Jury mit einer Recherche über den Werdegang des Schweizer Islamisten Qaasim Illi überzeugt.

 

Jurypräsident Hannes Britschgi (links) mit Daniel Ryser auf der Bühne, der für seine 100’000 Zeichen lange Reportage «Die Dschihadisten von Bümpliz» den Zürcher Journalistenpreis erhält. «Die Leichtigkeit, mit der Daniel Ryser die Hülle des Islamisten Qasim entfernt und den Weg zum Wirrkopf Illi findet und beschreibt, ist grosse Erzählkunst und eine erteilte Medienlektion. Denn wer nach 3000 vorangehenden Artikeln den Islamisten Illi gefürchtet hatte, empfindet nach Rysers Spurensuche eher Mitleid», heisst es in der Laudatio.

 

Annabelle-Redaktorin Claudia Senn wiederum hat mit Empathie, Unvoreingenommenheit und Akribie die Geschichte einer Frau erzählt, die ihr Kind entführte und deswegen ins Gefängnis musste.

 

 Lisa Feldmann (rechts) lobt die Geschichte «Sie nahm das Kind einfach mit», für die Annabelle-Redaktorin Claudia Senn den Zürcher Journalistenpreis entgegennimmt. «Claudia Senns Text hat die Kraft, uns zu empören», sagt Feldmann. «Unser Leben zu hinterfragen und unsere Gesellschaft infrage zu stellen. Das war schon immer die preiswürdige Qualität eines journalistischen Textes. In Zeiten wie diesen ist es die herausragende Leistung einer Autorin, die beweist, dass es sich eben doch lohnt, eine Geschichte ganz und gar zu lesen.»

 

An der Feier zur Preisverleihung, die am Dienstag, 16. Mai 2017, im Kaufleuten Zürich stattfand, nahmen zahlreiche prominente Gäste aus Wirtschaft, Medien und Politik teil. Die Festansprache zum Thema «Postfaktischer Bullshit: Über journalistische Qualität in der digitalen Welt» hielt Miriam Meckel, Herausgeberin der Wirtschaftswoche und Professorin für Medien und Kommunikations-management Universität St. Gallen.

 

Miriam Meckel, Herausgeberin der Wirtschaftswoche und Professorin für Medien- und Kommunikationsmanagement an der Uni St. Gallen, referiert darüber, welche Rolle Journalismus zu Zeiten «postfaktischen Bullshits» einnehmen könnte. Die Aufgabe der Journalisten sei es heute, mit Professionalität, Relevanz und Beharren zu punkten – und mit transparenter Kommunikation zu zeigen, was Journalismus kann. «Journalismus wird wichtiger und nicht weniger wichtig zu Zeiten von Fake News», so die Expertin.

 

Der Zürcher Journalistenpreis, eine der renommiertesten Auszeichnungen für Journalismus in der Schweiz, wird seit 1981 verliehen. Jeder der vier vergebenen Preise ist mit 10'000 Franken dotiert, die Beiträge und Spenden von Verlagen, Unternehmen und Institutionen möglich machen. Ausgezeichnet werden hervorragende und wegweisende Arbeiten und Gesamtwerke, die über einen Zeitungs-, Zeitschriften- oder Online-Kanal verbreitet werden. Dieses Jahr wurden 160 Arbeiten eingereicht.

 

Ausdehnung auf ganze Deutschschweiz

Zum 30-Jahr-Jubiläum der Stiftungsgründung «Zürcher Journalistenpreis» soll der Geltungsbereich des Preises ausgeweitet werden. War dieser bisher auf die Kantone Zürich und Schaffhausen beschränkt, so wird es ab dem kommenden Jahr möglich sein, journalistische Arbeiten aus der gesamten Deutschschweiz einzureichen. Der Stiftungsrat möchte damit die etwas enge Zentrierung auf Zürich aufgeben und auch Journalistinnen und Journalisten aus anderen Gegenden und Kantonen einbeziehen. Im Sinne einer bewährten Marke bleibt der Name «Zürcher Journalistenpreis» allerdings bestehen. Damit soll auch zum Ausdruck gebracht werden, dass die grösste Stadt der Schweiz nach wie vor auch die eigentliche Medienstadt darstellt. (aks/pd)

 

Fotos: Ann-Kathrin Schäfer/Werbewoche

Di 16.05.2017 - 11:59

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