News

03.12.2010
Media & Medien

Zeit für gute Ideen

Alle reden über Kooaba und Augmented Reality. Dass die APG nun ihre interaktiven Plakate und die dazugehörige App PosterPlus lanciert, ist also noch keine Nachricht. Doch der Plakatgesellschaft ist nicht «schnell schnell dabeisein» alles, tragfähige Inhalte zählen. Darum gibt die APG ihren Kunden Zeit, cleveren Content mit Mehrwert zu entwickeln. Erst dann wird plakatiert. Dass man bei der APG Zeit zum Nachdenken bekommt, ist eine Nachricht.

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Printausgabe der Werbewoche.
Die Möglichkeit, Papier mit Zusatzinformationen anzureichern, die mit einem Knips direkt auf dem Handy landen, beflügelt die Fantasie: Was kann man nicht alles machen mit Zeitungsartikeln und Püreeverpackungen, mit Inseraten und Plakaten! Fotos, Videos, Rezepte und Gutscheine, Gewinnspiele, Links, Bestelltools und vieles mehr hinterlegen. Alles geht. Und genau das ist die Krux. Denn alles umzusetzen, was möglich ist, war noch nie eine gute Idee.
Papier durch interaktiven Content anzureichern, ist nur dann sinnvoll, wenn die Zusatzinhalte dem User echten Mehrwert bringen, betonen Fachleute wie Bruno Mettler von Vanija, Hansres Emch von LD Media oder Nicolas Adolph von der APG. Soll heissen: Derjenige, der sich die Zusatzinformationen hinter einem Inserat oder Plakat auf sein Smartphone holt, muss einen klaren Nutzen davon haben. Sonst fotografiert er genau einmal ein Sujet – und nutzt die Technologie dann nie wieder. Sinnvoll sind zum Beispiel ein Buchungstool für eine Probefahrt hinter einer Werbung für den neuen Mini, eine Rabattaktion hinter einem Coop- oder Migros-Plakat, ein Video mit einem Skicrack hinter einer Werbung für die aktuelle Ski-Kollektion von Zimtstern, ein Prämienrechner hinter einem ÖKK-Plakat oder ein Verzeichnis der nächstgelegenen Filialen hinter einem Sujet von Manor.
Plakate mit Hintergrund
«Wir bekennen uns klar zum Plakat als nutzenorientiertem Massenmedium», betont Nicolas Adolph, Projektleiter bei der APG. «Wir wollen die einzelnen Mobilitätszielgruppen möglichst genau erfassen und bedürfnisgerecht ansprechen. Unser Geschäft ist zwar klassisch analog, denn unsere Plakate sind immer noch aus Papier und werden mit Leim geklebt. Dennoch wollen wir die Chancen nutzen, die uns die Digitalisierung bietet. Die zunehmende Mobilität, das veränderte Mediennutzungsverhalten, die Smartphones und die Internetnutzung Richtung Out-of-Home sind eine wunderbare Entwicklung für unser Medium.»
Das hinter dem Plakat oder Inserat Gebotene muss aber nicht nur dem Konsumenten Spass machen und ihm nützlich sein, es muss auch zur Marke des Werbetreibenden passen. Und genau da kommt es auf den Feinschliff an, damit die Rädchen wie geschmiert ineinandergreifen. Um Zusatz-Content und clevere Tools zu entwickeln, die in alle Richtungen stimmig sind, brauchen Unternehmen und ihre Agenturen neben Ideen vor allem eines: Zeit. Überhastet irgendein Material hinter ein Sujet zu legen, damit etwas dahinter liegt und man beim Hype dabei ist, führt beim Konsumenten höchstwahrscheinlich zu raschen Ermüdungserscheinungen. Zum Nachteil der Technologie, die, richtig genutzt, etliche kreative Spielräume eröffnet. «Mit dem, was derzeit angeboten wird, kann man die Leute auf der Strasse noch nicht begeistern», ist Adolph überzeugt. «Fünf Sterne für die Technologie. Aber bevor wir breit an den Konsumenten gehen, brauchen wir viele gute Geschichten. Denn wir wollen auch dafür fünf Sterne erhalten.»
Deshalb lanciert die APG ihr neues Angebot PosterPlus aktuell zunächst einmal intern und bei ihren Auftraggebern und Agenturen. Erst später will sie damit auf die Strasse. Wann genau, kann Adolph nicht sagen, sicher aber nicht vor dem zweiten Quartal 2011: «Das kommt darauf an, wie unsere Kunden auf PosterPlus ansprechen. Wir setzen sie nicht unter Druck und haben auch kein definiertes Datum für eine Lancierung bei den Konsumenten. Wichtig ist uns, dass hinter einer Vielzahl unserer Plakate wirklich Inhalte liegen, sobald wir plakatieren. Denn fotografiert ein Konsument ein Sujet und bekommt ein ‹no match›, und das mehrmals hintereinander, verliert er die Freude an der Technologie. Wenn man es aber richtig macht und die Bedürfnisse der Leute auf der Strasse trifft, ergeben sich grosse Chancen.» Interaktive Werbesujets ermöglichen einen direkten, hochwertigen und dauerhaften Dialog mit der Zielgruppe. Mehr können Werbetreibende kaum wollen. Ob dieser Austausch gelingt, steht und fällt mit den angebotenen Inhalten. «Klar wird es grosse, tolle Aktionen geben», sagt Adolph. «Aber auch mit kleinen, feinen Geschichten kann man bereits extrem wirksame Sachen machen.»
Bereits im Juni positionierte sich Publicitas Publimedia mit ihrem Angebot «Smart-Ads» im Markt der interaktiven Werbesujets. Seit dem Sommer hat Publicitas nach eigenen Angaben zahlreiche Gespräche mit potenziellen Kunden geführt, Anfang November realisierte sie schliesslich den ersten Auftrag. «Es handelt sich um ein Smart-Ad für die Automarke Skoda der AMAG-Gruppe», verrät Cesare Patella, Head of Media-Service and -Research der Publicitas. «Das Sujet erscheint seit dem 7. November in diversen Tagestiteln. Konkrete Zahlen zur Nutzung folgen bald.»
Eigene Software, eigenes Icon
Sowohl Publicitas als auch die APG haben Kooaba als Technologiepartner ins Boot geholt. Die APG setzt bei der Interaktivierung ihrer Plakate zusätzlich auf die Unterstützung der Spezialagenturen mitLinks und Vanija. Ausserdem hat sie eine eigene App zur Bereitstellung und Verwaltung des Zusatz-Contents aufgesetzt, die neben Kooaba-Paperboy zum Einsatz kommt. Die Technologie ist die gleiche wie bei Paperboy, und das Icon der APG-App ist dem Shutter-Icon von Kooaba ähnlich. Während in Paperboy alle von den Werbetreibenden erarbeiteten Offerten, Zusatztools und Gadgets hinterlegt werden, sind in der APG-Datenbank die Plakatsujets gespeichert, und zwar die der aktuellen Kampagne sowie die von älteren Kampagnen. Die APG nutzt ihre bestehende Sujet-Datenbank und verknüpft sie mit der Datenbank von Kooaba. So kann die Kooaba-Lösung die angeforderten Sujets aus dem APG-Archiv ziehen. «Wir sind dabei, rückwirkend die Sujets bis 2001 zusammenzutragen», sagt Adolph. «Eine aufwändige, aber lohnende Arbeit». Wer ein APG-Plakat fotografiert, erhält in Zukunft also nicht nur Zusatz-Content vom Werbetreibenden, sondern auch die Credits zum fotografierten Sujet sowie auf Wunsch weitere Motive der laufenden Kampagne und Sujets älterer Kampagnen. «So kann der User die Entwicklung der Sujets, des werbenden Unternehmens und der verantwortlichen Agenturen nachverfolgen», betont Adolph – eine Option, die vor allem für das Fachpublikum von Interesse sein wird. Ausserdem können Konsumenten das fotografierte Motiv twittern, auf Facebook stellen, weitermailen oder ihm im Poster-of-the-Month-Wettbewerb ihre Stimme geben und so einen Preis gewinnen.
Ihre Sujets können Werbetreibende selbst über die APG-Website in die Datenbank laden. Bei der Bereitstellung individueller Zusatz-Contents können sie auf den Verkauf der APG sowie auf die Realisierungspartner der Plakatgesellschaft, mitLinks und Vanija, zählen. Die Kosten für PosterPlus-Anwendungen halten sich im Rahmen: «Gemäss den Angaben von mitLinks und Vanija können professionelle Lösungen bereits ab 12 000 Franken realisiert werden», sagt Adolph. «Darin eingeschlossen sind die Nutzung der Plattform sowie die kundenspezifische Umsetzung der Kampagne. Der Auftraggeber kann mit PosterPlus seinen Return on Investment erhöhen, Zusatzverkäufe initiieren, Tickets absetzen, Probefahrten anbieten etc. Grenzen sind keine gesetzt.»
Aktiv für Mehrwert
Derzeit ist die APG-App für das iPhone optimiert, an einer Version für andere Betriebssysteme wie Android und Windows-Mobile arbeiten die Technologiepartner der Plakatgesellschaft aber bereits. Für ihre App hat die APG ein eigenes Shutter-Icon aus ihrem Logo geschaffen, damit Usern jederzeit die Verbindung mit der Plakatgesellschaft bewusst ist. Allerdings hat die APG derzeit nicht vor, die Plakate ihrer Kunden mit diesem Icon zu kennzeichnen, wie es bei Kooaba-Paperboy üblich ist. Denn Konsumenten sollen zukünftig ganz selbstverständlich davon ausgehen, dass hinter den meisten APG-Plakaten etwas mehr dahintersteckt, als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Die APG will erreichen, dass in absehbarer Zeit möglichst viele Konsumenten ihre App auf ihr Smartphone geladen haben. Doch Adolph weiss genau: «Das schaffen wir nur, wenn wir gleich auf den ersten Wurf gute Cases präsentieren.» Deshalb hat die APG nun zuallererst ihre Kunden und deren Agenturen im Fokus. Sie sollen sich von der Interaktiv-Euphorie anstecken lassen, die neuen Möglichkeiten erkennen und spannende Tools zu ihren Sujets entwickeln. Adolph: «Wenn wir die Mehrheit unserer grossen Kunden bewegen können, im Laufe des nächsten Jahres nützlichen Zusatz-Content zu hinterlegen, haben wir ein wunderbares Angebot für den Passanten auf der Strasse.» Erst dann wird die APG die Konsumenten per Plakat dazu animieren, sich die APG-App aufs Handy zu holen. Von der Website der APG herunterladen kann man sie sich trotzdem jetzt schon.
«Wir wollen nicht nur eine neue Paperboy-Geschichte anbieten, sondern Plakate wirklich interaktiv machen», betont Adolph. «PosterPlus ist für uns ein wichtiges Element im gesamten Themenspektrum ‹Interaktivität›, das wir schon länger bearbeiten. Dazu gehört auch Hardware wie beispielsweise die neuen E-Panels unseres Schwesterunternehmens E-Ad.» E-Panels sind LCD-Displays, die leimfreie Werbung im Format 16:9 mit 82 Zoll ermöglichen. Die Displays werden ab Frühjahr 2011 in den grössten Bahnhöfen der Schweiz eingesetzt werden. Die APG kommt zum Zug. Anne-Friederike Heinrich

In Kürze
Die APG Affichage wurde 1900 in Genf gegründet, wo bis heute der Hauptsitz des Unternehmens ist. Die APG ist Marktführer in der Schweizer Aussenwerbung. Ihre rund 550 Mitarbeiter beschaffen, installieren und unterhalten Plakatflächen in der ganzen Schweiz.
www.apg.ch
Realisierungspartner der APG:
www.mitlinks.ch
www.vanija.ch



Tags:
Media & Medien

Bewertung:

 

Kommentar hinzufügen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Ausgabe

Newsletter bestellen

Bleiben Sie aktuell informiert!

Webcode

Umfrage

Was halten Sie von der Gründung einer staatsunabhängigen Stiftung zur Medienförderung?
Kommission empfiehlt gezieltere Medienförderung