Der Sportsfreund

Martin Platzer ist mit seiner MPM Sponsoring Consulting mit Sitz in Wien und Zürich bereit für den Anpfiff der Euro 08.

Martin Platzer ist mit seiner MPM Sponsoring Consulting mit Sitz in Wien und Zürich bereit für den Anpfiff der Euro 08. 

Die Schweizer Elf sei «auf hohem Niveau etwas nachlassend», und die Nationalmannschaft der Österreicher «auf tieferem Niveau im Aufwind», lässt sich Martin Platzer zu einer Prognose für die Euro 08 verleiten. Eine diplomatisch gut gewählte Antwort für jemanden, der mit je einem Büro in Wien wie auch in Zürich Unternehmen berät, die bei der Fussballeuropameisterschaft in irgend einer Form beim Sponsoring oder Ambush-Marketing mitspielen wollen. In rund 400 Tagen startet die EM mit Spielorten in beiden Ländern gleichzeitig. Bereits im 2004 hat Martin Platzer das zum Anlass genommen, neben seinem Stammbüro mit neun festen Mitarbeitenden in Wien auch in Zürich eine Niederlassung zu gründen. Diese wird vom Geschäftsführer Christian Müller und drei Mitarbeitenden geleitet. Der Chef aus Wien schaut mindestens alle zwei Wochen für ein paar Tage vorbei. «Mit dem ersten Flugzeug kann ich schon um halb neun im Büro an der Limmatstrasse sein», meint Platzer, der als ehemaliger Eishockey-Profi ein Leben aus dem Koffer gewohnt ist.
Viermal an einer Weltmeisterschaft und zweimal an einer Olympiade hat Platzer als Nationalspieler für Österreich um den Puck gekämpft. In dieser Zeit hat er nebenbei auch noch ein Studium der Betriebswirtschaft abgeschlossen. In seiner Diplomarbeit zum Thema «Ökonomie des Eishockeysports» hat er amerikanische Eishockeyclubs mit europäischen verglichen. Das hat ihn auf die Idee für eine Firma im Bereich Sponsoring gebracht.
Martin Platzer Management MPM ist eine Below-the-line- Agentur. «Wir beraten Unternehmen dahingehend, dass wir aus ihrer Kommunikationsstrategie eine Sponsoring-Strategie entwickeln», erklärt Platzer. MPM stützt sich auf die Hilfe umfangreicher eigener Studien: Was denkt die Bevölkerung über Sponsoring? Wie findet ein Imagetransfer statt? Welche Branchen eignen sich für welche Art von Sponsoring? Solche Analysen macht MPM regelmässig in den verschiedensten Märkten. Dann wird eine Sponsoringstrategie entwickelt und schliesslich das ganze Geschäft abgewickelt von der Vertragsgestaltung mit dem Sponsorpartner über Kreation und  Umsetzung bis zur Erfolgskontrolle mit Agenturen, welche die Clippings zur Auswertung sammeln.
Sport, Kultur, Soziales und Wissenschaft kann bei MPM gesponsert werden. In den letzten Jahren ist das Portfolio ausgeweitet worden auch in die Bereiche Corporate Events, Messen, TV-Produktionen in Zusammenhang mit Sponsoring sowie TV-Spots. In Zürich bekannt ist zum Beispiel der Funsport-Event Freestyle.ch, wo MPM den gesamten Auftritt inklusive TV-Spots für den Kunden Nokia produziert. In einem ähnlichen Segment hat MPM für Nokia und Sunrise die Musiksendung «Lautstark» auf Star TV lanciert. Neben der Euro 08 waren es auch solche Grosskunden, die MPM vor drei Jahren nach Zürich gebracht haben, um von hier aus die ganze Alpenregion «umfassend und mit Natives» betreuen zu können.
Im Bereich Kultur hat MPM auch das Zurich Filmfestival lanciert und für Nokia den Movie Mobile Award «erfunden», der in diesem Jahr bereits im Vorfeld des Festivals noch weiter zu einem anhaltenden Publikumswettbewerb ausgebaut werden soll.
In Österreich ist MPM vor 15 Jahren in Villach gegründet worden. 1995 ist Platzer nach Wien umgezogen, wo er auch seine Lebens- und Geschäftspartnerin Ute Riermeier kennen lernte, mit der er mittlerweile zwei Kinder hat. Zu den ersten grossen Kunden gehörten T-Mobile, Bank Austria, Austria Tabak oder Heraklith. Für diesen Hersteller von feuerfesten Baumaterialien hat MPM in seinem ersten Case ein Sponsoring von Sportvereinen in der Umgebung der Heraklith-Werke lanciert, ähnlich wie es zum Beispiel Bayer mit dem FC Leverkusen macht. Siegt jemand unter diesen Tennis-, Leichtathletik-, Fussball- oder Eishockeyspitzenclubs, können sich auch die Mitarbeitenden beim Sponsor «als Sieger fühlen», erklärt Platzer die Psychologie dieses Engagements.
Ebenfalls in der Küche von MPM ist in Österreich bereits 1995 die T-Mobile-Bundesliga konzipiert, realisiert und kommunikativ umgesetzt worden. Für dieses erste Liga-Namenssponsoring Europas hat MPM den Internationalen Sponsoring Award für «das bestvernetzte Sponsoring» gewonnen. Das Konzept wurde später auch zum Vorbild für die Axpo-Liga in der Schweiz.
Bei seiner Arbeit in Zürich schätzt Platzer, dass man sich in der Schweiz bereits empfänglicher für strategische Ansätze von Sponsoring zeigt. «In Österreich ist oft noch das gesellschaftliche Netzwerk massgebend.» Aber: «Um erfolgreiches Sponsoring zu machen, braucht es eine strategische Anlehnung.» Golf sponsern, nur weil der CEO gerne Golf spielt, bringt nichts. Es müssen die Markenwerte im Vordergrund der Entscheidung stehen.
Sponsoring kann für Platzer zum Beispiel im Bereich Sport den Bekanntheitsgrad innert kürzester Zeit um ein Vielfaches steigern. Man kann Imagekorrekturen vornehmen und sich auch gegenüber den Mitbewerbern positionieren.
Eine von MPM 2005 in der Schweiz durchgeführte Studie zeigt, dass Sponsoring «die sympathischste Werbeart ist». Überall, wo man die Werbung in einem Umfeld konsumiert, wo man sich wohl fühlt und diese Spass macht, stört einen die Werbung nicht. «Wenn man die Werbung aber aufs Auge gedrückt bekommt – zum Beispiel als störende Beilage in einem Heft, dann ist sie für den Empfänger nicht mehr sympathisch.»
Platzer kann auch höhere Erinnerungswerte an das Sponsoring im TV als für klassische Werbespots belegen. «Dazu muss man aber kreativer sein.» Sponsoring hat allerdings auch eine eingeschränkte Wirkung, denn «mit Sponsoring kann ich kein Produkt erklären, nur Namen und Logo präsentieren sowie ein Image transferieren».
In Österreich hat MPM inzwischen 15 der 20 Top-Sponsoren betreut. Auch das ein Grund, wieso Martin Platzer nach einem neuen Playground suchte. In Zürich will man sich jetzt als die «local heroes» positionieren, um internationale Unternehmen am lokalen Markt betreuen zu können.
Für die Euro 08 läuft die Planung bereits seit letztem Frühling. Das grösste Projekt ist eine Road-Show im Bereich Public Viewing. Mit Trucks in der Schweiz und Österreich sollen jeweils 15 Städte befahren werden, um dort auf einer Gross-leinwand die Spiele zu zeigen. In der Schweiz sind das Ortschaften, die nicht zu den 17 Städten gehören, die vom offiziellen Uefa-Sponsor UBS bedient werden. MPM will diese Trucks eventuell auch ohne das offizielle Logo der Euro 08 fahren lassen und damit auch Firmen eine Chance geben, die sich kein offizielles Uefa-Sponsoring leisten können. «Wir suchen nach kreativen Möglichkeiten im Ambush-Marketing», verrät Platzer. Und er verhehlt nicht, dass er gewisse Regeln der Uefa «Schwachsinn» findet. «Wir haben aber sehr gute Kontakte zu den Verantwortlichen der  Vermarktung, die anders denken als gewisse Juristen.» Ganz allgemein hofft er, dass die Uefa im Vorfeld «nicht zu viel negative PR für dieses Fussballfest macht».
Wie kann ein Unternehmen die Euro für sich legal nutzen, wenn es nicht Euro-Sponsor ist? Das ist für MPM «eine grosse Herausforderung und macht auch Spass, weil man viel kreativer sein muss als im Tross der offiziellen Sponsoren. Und da haben wir sehr viel Know-how anzubieten», meint Platzer, der ansonsten Mitbegründer und immer noch Vizepräsident des Einshockeyclubs Vienna Capitals ist, der vor zwei Jahren in Österreich Meister wurde. Ein weiteres Hobby, das er zu seinem Beruf gemacht hat, ist soziales Engagement. Hier zeigt sich Platzer stolz für sein Projekt «henkel-smile.com», wo rund um grosse Events Spenden zum Beispiel für blinde oder Diabetes-kranke Kinder generiert werden. Aber nicht auf die wehleidige Tour, sondern voll sportlich und sponsoringmässig professionell.
Andreas Panzeri

Mo 18.08.2008 - 12:28

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