«Wir sind zuversichtlich, dass die Höhe der Gebote gegen Ende zunehmen wird»

Die Zürcher Agentur Kollektiv versucht, mit der «60-Tage-Kampagne» neue Wege bei der Kundenakquise zu gehen. Die Werbewoche hat bei Creative Director David Wick nachgefragt, wie das Ganze funktioniert.

Das Kollektiv-Team: Maurus Gross, Gilles Goetsch, David Wick und Florian Süsstrunk (v.l.)

«Als kleine Boutique-Agentur hat man’s nicht nur einfach: Man arbeitet professionell, eng abgestimmt und mit Passion – insgesamt deutlich effizienter als in einer Grossagentur, stolpert bei der Kundenakquise aber oft über vermeintlich relevante Kennzahlen. Anzahl Mitarbeiter, Umsatz etc.», sagt David Wick, Creative Director und Partner von Kollektiv. Ausserdem verschärfe sich die Herausforderung «Pitch» – hohe, oft vergebliche Aufwände, unklare Rahmenbedingungen – je kleiner die Budgets und geringer die Professionalität des Kunden.

Kollektiv macht aus der Not eine Tugend und lanciert die 60-Tage-Kampagne. Der interessierte Kunde macht ein Gebot für 60 (Personen-)Tage Agenturleistung und bewirbt sein Projekt. Am Ende entscheidet die Agentur, welches Projekt realisiert wird.

 

 

 

Werbewoche: Ist die 60-Tage-Kampagne als einmalige Aktion gedacht oder ist es möglich, dass dieses Modell danach als fixes Instrument zur Kundenakquise eingesetzt wird?

David Wick: Die Aktion wird aktuell zum ersten Mal durchgeführt und ist unseres Wissens nach in dieser Art einmalig. Wir können uns aber sehr gut vorstellen, dass diese Auktion für uns zu einem festen Instrument in der Akquise wird – schliesslich bringt sie die Zahlungsbereitschaft des Kunden mit den Interessen der Agentur in ein Gleichgewicht. Dabei spielen sowohl die Reputation und bisherigen Arbeiten der Agentur, als auch die Attraktivität und Vielseitigkeit des zu realisierenden Projekts eine Rolle.

 

Wie weit kommt man mit 60 Personen-Tage? Besteht die Gefahr, dass dann ein halbfertiges Produkt präsentiert wird und der Kunde sein Budget erhöhen muss, um es fertigzustellen?

Als kleine, eng abgestimmte Agentur: weit. Das reicht grundsätzlich für eine umfassende Kampagne, hübsch erzählte Produkt-, Corporate- oder Shop-Seite. Oder eben: Ganz andere Projekte, zu welchen wir sonst keinen Zugang haben. Und falls es doch nicht reichen sollte: Wir bieten plus/minus zehn Tage zu den gleichen Konditionen, bzw. nach Rücksprache auch mehr.

 

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Projekte aus?

Wir führen Selbstgespräche mit unserem internen Beratungsbot und vertrauen ihm blind. Weil er aber immer zum Schluss kommt, dass wir aus freien Stücken und mit reinem Gewissen entscheiden sollen, werden wir darauf achten, dass das Projekt für unser Team attraktiv und herausfordernd und für die Menschheit sinnvoll ist.

 

 

 

Wird eher weniger oder mehr geboten, als die Leistung wert ist?

Aktuell sind wir noch deutlich unter unserem üblichen «Wert» – wobei dieser während der Kampagne neu definiert wird. Da die Kampagne aber noch bis am 22. September läuft und wir das Auktionsverhalten von Ricardo etc. kennen, sind wir zuversichtlich, dass die Höhe der Gebote zunehmen bzw. angepasst werden.

 

Aber wenn es nicht die Aussicht auf Agenturleistung zum Schnäppchenpreis ist – was soll Kunden motivieren, sich als solche «bewerben» zu müssen?

Neben der Aussicht, dass wir ein Projekt wählen, welches (allenfalls zu) knapp budgetiert ist, kann der Kunde auf diese Art das Ausschreibe/Offerteinhol-Verfahren massiv abkürzen: Mit ein paar Klicks, einem spannenden Projekt und einem fairen Gebot.

 

Haben bisher auch potentielle Kunden mitgemacht, mit denen Kollektiv vorher noch nie was zu tun hatte?

Bisher haben gar nur potenzielle Neukunden mitgemacht. Wir gehen aber davon aus, dass im Laufe der Auktion auch noch einige Bestandeskunden ein Angebot machen werden.
 

Wenn Pitches und Kennzahlen im Weg stehen – welche Möglichkeiten hat eine kleine Agentur wie Kollektiv sonst, an Kundenaufträge zu kommen?

Nun, die wichtigsten Kanäle sind das Netzwerk und die persönliche Weiterempfehlung durch Kunden und Freunde. Um aber diese Grenzen zu überwinden ist mehr nötig – entweder Kalt-Akquise oder Ads. Beides ist aber nicht so unseres. Vielmehr wollen wir mit einer intelligenten Kampagne unsere Kompetenz und Erfahrung unter Beweis stellen. Und so ist dann auch die 60-Tage-Idee entstanden.

 

Interview: Thomas Häusermann

 

Kollektiv.ag

Mo 04.09.2017 - 11:17
Tags
Wirtschaftsgebiet & Region

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