Trotz Gegenwind: Nationalratskommission will Einschränkungen beim Replay-TV

Die Fernmeldekommission des Nationalrats will zeitversetztes Fernsehen nur mit Zustimmung der TV-Sender zulassen. Die TV-Anbieter haben die Kommissionsmitglieder im Vorfeld gebeten, den Vorschlag abzulehnen - die Kommission schenkte Swisscom, UPC und Co. aber kein Gehör.

Die Kommission beantragt mit 17 zu 4 Stimmen bei 3 Enthaltungen, den Grundsatz der Signalintegralität ins Fernmeldegesetz aufzunehmen. Ohne Zustimmung des Veranstalters sollen Anbieterinnen von Fernmeldediensten zukünftig Programmsignale nur zeitgleich, unverändert und vollständig weiterverbreiten. Die Mehrheit der Kommission wolle damit insbesondere erreichen, dass die schweizerischen TV-Sender die Bedingungen für die Übernahme ihrer Programme ins zeitversetzte Fernsehen mit den betroffenen TV-Verbreitern selbst verhandeln dürfen, heisst es in einer Mitteilung.

Die Fernmeldekommission folgt damit dem Vorschlag eines Mitgliedes, welcher die Interessen der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen (IRF) – bestehend aus SRG und Privaten – vertritt. Die Pläne publik gemacht hat die NZZ am Sonntag (Werbewoche.ch berichtete). Sechs TV-Signal-Anbieter – darunter Swisscom und UPC – riefen die Kommissionsmitglieder im Vorfeld mit einem Brief dazu auf, den Vorschlag abzulehnen. Die Swisscom sprach sich klar und deutlich gegen die beabsichtigte Gesetzesänderung aus. Die von den Sendern beklagten Werbeverluste, so Sprecher Armin Schädeli, hätten – sofern sie überhaupt zuträfen – auch andere Gründe.

Den Entscheid der Kommission kritisiert die Swisscom entsprechend harsch. Würde die Regelung tatsächlich durchkommen, bedeute das faktisch das Ende von Replay-TV, sagt ein Sprecher zu Blick.ch. Zeitversetztes Fernsehen entspreche einem «ausgewiesenen Kundenbedürfnis» und sei für ein zukunftsorientiertes TV-Angebot unverzichtbar. Auch bei UPC bedauert man der Entscheid der Fernmeldekommission – dieser beruhe «auf offensichtlich falschen Informationen».

 

Schrumpfende Werbeeinnahmen

Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) hatte entsprechende Pläne im Vorfeld ebenfalls kritisiert. Sie sieht den zeitversetzten TV-Konsum in Gefahr.

Die Gegner des Replay-TV wiederum argumentieren, dass die schrumpfenden Werbeeinnahmen die Qualität und Vielfalt des TV-Programms gefährden. Dem hält die SKS entgegen, dass das zeitversetzte Fernsehen den TV-Konsum insgesamt steigere. Falls die Spulfunktionen für Werbeblöcke nur noch mit der Zustimmung des Senders möglich wäre, sei mit weitreichenden Auswirkungen zu rechnen.

So sei etwa zu befürchten, dass nur grosse Unternehmer die finanziellen Mittel aufbringen können, um sich von den Sendern die Rechte für Replay-Angebote zu erkaufen. Auch markante Preisanstiege seien zu erwarten.

Ausserdem sei der Ansatz ein Rückschritt in die Steinzeit: «Wer sich eine Sendung zu einem späteren Zeitpunkt anschauen will, müsste diese - wie vor Jahrzehnten - wieder mit dem Videorekorder aufnehmen», schrieb die SKS. Paradoxerweise wäre damit das Überspulen von Werbung weiterhin problemlos möglich.

 

Bericht angefordert

Ob besagter Grundsatz der Signalintegralität am Ende tatsächlich ins Fernmeldegesetz aufgenommen wird, ist indes offen. Noch stehen die Verhandlungen ganz am Anfang. Innerhalb der Kommission soll man sich – trotz des klaren Wahlergebnisses – noch längst nicht einig sein. Man hat nun beim Bundesamt für Kommunikation einen Bericht zum Thema angefordert und will sich nach den Sommerferien erneut mit dem Thema befassen. (hae/pd/sda)

 

Mi 04.07.2018 - 11:20

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