VgT reicht Klage gegen Fleischverband ein

Nächste Runde im Streit rund um den über die Festtage auf SRF ausgestrahlten VgT-Spot: Erwin Kessler hat Klage gegen den Fleisch-Fachverband SFF eingereicht. Kessler wirft dem Verband Verleumdung vor – und plant bereits den nächsten Spot.

Grund für die Klage ist eine Medienmitteilung, welche der SFF Ende Dezember veröffentlicht hat. Darin wird der über die Feiertage ausgestrahlte VgT-Spot als «böswillig irreführend, unlauter und völlig deplatziert» bezeichnet. Die «missionarisch anmutende Anpreisung des Veganismus» sei eine Missachtung der SRF-Richtlinien, da es sich hierbei um politische Werbung handle. Die «tendenziösen, einseitigen und rufschädigenden» Bilder würden zudem die Anstrengungen, welche die Schweiz in den letzten Jahren zur Erhöhung des Tierwohlstandards unternommen habe, völlig ausblenden.

VgT-Chef Erwin Kessler will sich die Anschuldigungen nicht gefallen lassen: «Nun läuft ein Gerichtsverfahren an gegen den Fleisch-Fachverband SFF, weil er mit einer verleumderischen Stellungnahme auf den Spot reagiert hat.» erklärt er gegenüber Werbewoche.ch (Vermittlungsbegehren, PDF).

Der zwischen dem 19. und 31. Dezember 2014 18 mal auf SRF 1 ausgestrahlte TV-Spot zeigt verschiedene Szenen der Schweizer Nutztierhaltung. Kessler betont dabei, dass alle Aufnahmen aus der Schweiz stammen und «wesentlich schlimmere» Bilder hätten gezeigt werden können. Einerseits, so Kessler, habe er SRF keinen Vorwand geben wollen, den Spot als «unzumutbar» abzulehnen, andererseits habe er es nicht nötig, mit besonders extremen Beispielen zu arbeiten. «Der ganz normale Wahnsinn ist schlimm genug», so der Tierschützer.

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Screenshots des im Dezember ausgestrahlten VgT-Spots

Die «Zurückhaltung» hat sich ausgezahlt: Der vom Fleischverband kritisierte Werbespot ist laut Kessler der erste, der von SRF/Publisuisse ohne Gerichtsverfahren angenommen wurde. 2013 hat sich Kessler eine Ausstrahlung über das Bundesgericht erkämpft (Werbewoche.ch berichtete). Diesmal habe Publisuisse verlauten lassen, die SRG habe keine Rechtsgrundlage, um den Spot zu verbieten. Dies, obwohl sich sich der SFF als «guter Kunde» - der Fleischverband ist Sponsor von «Giaccobo/Müller» - empört habe. Für Kessler ist klar: «Es bleiben damit auch keine Fragen mehr offen, warum SRF unsere Spots so hartnäckig abgelehnt hat und es zwei Verurteilungen der Schweiz durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof brauchte, bis das Bundesgericht hier endlich zum Rechten schaute.»

Ein Vorwurf, den SFF-Präsident Rolf Büttiker gegenüber Werbewoche.ch entschieden und in aller Deutlichkeit zurückweist: «Ein solches Vorgehen käme nicht in Frage, das würde mir meine liberale Grundhaltung verbieten. Wir arbeiten mit Argumenten, nicht mit Erpressung!» Es stehe daher nicht zur Diskussion, dass der Fleischverband aufgrund der Unstimmigkeiten betreffend VgT-Spot etwas am SRF-Sponsoring ändere. Die Klage seitens VgT nehme man «mit grosser Gelassenheit» zur Kenntnis. «Uns war bereits im Voraus bewusst, dass Auseinandersetzungen mit Herrn Kessler meist vor Gericht enden». Die rechtlichen Abklärungen des Verbandes seien immer noch am laufen. Für alt Ständerat Büttiker steht aber die politische Dimension des umstrittenen Spots ausser Frage. Die Dimension, die es dem Schweizer Fernsehen verbieten würde, einen Werbespot auszustrahlen.

Was sicher ist: Erwin Kessler und der VgT werden auch weiterhin mit Werbefilmen für Schlagzeilen sorgen. Auch ausserhalb der Gerichtssäle. Wie die Werbewoche exklusiv weiss, ist der nächste Spot bereits in Vorbereitung. Er wird sich diesmal nicht gegen die Fleischwirtschaft, sondern gegen die Eier-Industrie richten und pünktlich vor Ostern platziert werden. (hae)
 

Mo 12.01.2015 - 15:17
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