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08.02.2010 | 11:55
MEDIA & MEDIEN
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BaZ: Die Reaktionen auf den Verkauf

Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument wertet den Verkauf der Basler Zeitung Medien (BZM) als gutes Zeichen gegen eine weitere Konzentration in der Schweizer Medienbranche. Tamedia, die als mögliche Käuferin gehandelt wurde, sowie die NZZ, hüllen sich in Schweigen, ob Verhandlungen mit den BZM stattgefunden haben.

Noch vergangene Woche wurde Tamedia in einem Analystenbericht von Cash als potenzielle Käuferin für die Basler Zeitung Medien gehandelt. Ob Verhandlungen mit den Basler Zeitung Medien geführt worden seien, dazu wollte sich Christoph Zimmer, Leiter Unternehmenskommunikation von Tamedia, auf Anfrage der Werbewoche nicht äussern. Momentan stehe bei Tamedia das Projekt mit Edipresse im Vordergrund. Die Unternehmen sollen in den nächsten drei Jahren zusammengeführt werden. Dies werde Tamedia – nicht nur finanziell – viel abverlangen.

Durch den Verkauf der BZM ändere sich für Tamedia wenig. Bislang habe mit den BZM eine Partnerschaft bestanden, von der beide Seiten profitiert hätten. Die Kooperation betrifft unter anderem das Newsnetz oder den Werbeverkauf «Metropool». Ein Eigentümerwechsel bringe es mit sich, dass beide Seiten diese Partnerschaft neu beurteilen könnten. Tamedia müsse sich aber nicht zwingend an jedem Medienhaus beteilige sondern könne sich auch weiterhin Partnerschaften mit unabhängigen Medienhäusern vorstellen, so Zimmer weiter.

Peter Wanner, der Verleger der Mittelland Zeitung erklärte gegenüber der Werbewoche, dass er gespannt sei, wie sich die neue Situation auf die Schweizer Presselandschaft auswirken werde. Er hätte schon mit Matthias Hagemann Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit geführt, er sei aber auch bereit mit den neuen Eigentümern diesbezügliche Gespräche zu führen.

Bei der NZZ wollte man den Verkauf der Zeitung nicht weiter kommentieren. Die Frage, ob Verhandlungen mit den BZM stattgefunden haben, blieb auf Anfrage der Werbewoche unbeantwortet. Interesse an möglichen Kooperationen mit den neuen Eigentümern besteht aber auch hier.


Mehrheitlich positive Rückmeldungen

Hanspeter Lebrument begrüsste auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, dass in Basel weiterhin ein unabhängiger Verleger tätig ist. Da keiner der beiden grossen Konzerne Tamedia oder die NZZ-Gruppe die Basler Zeitung (BaZ) gekauft habe, verschiebe sich das Kräfteverhältnis in den Schweizer Medien nicht. Der Besitzer der Südostschweiz Mediengruppe gibt aber zu bedenken, dass der Financier Tito Tettamanti seine Medienbeteiligungen meist rasch wieder abgestossen habe – «bisher aber nicht an einen Zürcher Konzern». Es habe sich aber in der Vergangenheit auch gezeigt, dass Tettamanti die Zeitungsmacher unabhängig arbeiten lasse.

Als erfreulich bezeichnete auch der Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl das Engagement eines privaten Investors bei der Basler Zeitung. Angesichts des Drucks, der auf den Schweizer Verlagen laste, halte er den Entscheid der beiden Käufer Tettamanti und Martin Wagner für mutig. Dank des Verkaufs an Unabhängige werde die Zeitungsvielfalt in der Schweiz vorerst weiter Bestand haben. «Es ist positiv, dass sich die grossen Konzerne nicht einfach weiter vergrössern», sagte der Professor für Journalistik und Medienmanagement an der Universität der italienischen Schweiz.

ĞEine wichtige Tageszeitung bleibt unabhängig», so der Zürcher Publizist und Journalist Karl Lüönd. Das trage dazu bei, dass die Pressevielfalt in der Schweiz bestehen bleibe, sagte er am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Übernahme stelle den Verlag auf eine solide finanzielle Basis. Lüönd vermutet, dass hinter Wagner ein potenter Geldgeber steht. Konkret nennt er den Basler Medienunternehmer Bernhard Burgener, der neu im Verwaltungsrat der Basler Zeitung Medien Einsitz nimmt. Burgener ist Chef der Constantin Medien. Wie Lebrument vermutet jedoch auch Lüönd, dass Tettamanti bald weiterverkaufen werde. Und wenn es denn soweit sei, rückten wiederum die Grossverlage ins Blickfeld, so der Publizist weiter.


Comedia hat Bedenken

Die Mediengewerkschaft Comedia zeigt sich besorgt. Mit dem Verlag der Basler Zeitung gerate ein traditionsreiches Medienhaus in die Hände des Finanzinvestors Tito Tettamanti, so die Gewerkschaft. Es sei irritierend, dass Medienhäuser in der Krise zum Gegenstand spekulativer Aktionen werden könnten. Tito Tettamanti sei kein Garant für demokratische Öffentlichkeit, heisst es weiter. Comedia fordert die neuen Eigentümer auf, die Belegschaften der BZM nicht noch weiter auszupressen und die Redaktionen in politischer Unabhängigkeit arbeiten zu lassen.



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