SDA und DDP: Kooperation im Schweizer Markt
Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) übernimmt per 1. Februar die deutschen DDP-Textdienste sowie den Ausland-Depeschendienst der DDP (DAPD) für die Verbreitung in der Schweiz, wie die beiden Unternehmen am Donnerstag bekanntgaben. Im Gegenzug erhält die DDP die Lizenz, in ihren Märkten die SDA- Dienste zu verbreiten. Die Zusammenarbeit dränge sich aufgrund der veränderten Medienlandschaft in der Schweiz und dem damit verbundenen Kostendruck auf, begründeten die beiden Partner ihre Kooperation. Die DDP-Gruppe will sich künftig auf ihr Kerngeschäft in Deutschland konzentrieren.
Es sei nicht möglich gewesen, einen nationalen Schweizer Dienst mit nur 15 Personen aufrecht zu erhalten, wird Martin Vorderwülbecke, Vorstand der DDP Media, in der Mitteilung zitiert. Die DDP-Gruppe wird einen Teil des Personals der AP Schweiz in einem Korrespondentenbüro weiter beschäftigen.
Die DDP-Gruppe hatte am 7. Dezember 2009 von der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) die Exklusivrechte für den Nachrichtendienst in deutscher Sprache für Deutschland, Österreich und die Schweiz erworben. Der Ausland-Depeschendienst wird aus dem englischsprachigen Dienst von AP International produziert. Die SDA übernimmt nun den Vertrieb dieses Ausland-Depeschendienstes der DDP für die Schweiz. Sie stellt damit sicher, dass die Schweizer Medien eine weitere unabhängige Nachrichtenquelle nutzen können. Der AP-Nachrichtendienst garantiert hohe journalistische Qualität sowie eine weltweite Abdeckung. Die SDA übernimmt keinen der bisherigen ddp-Mitarbeiter, da sie selber Arbeitsplätze abbauen muss.
Redaktion der DDP «empört und schockiert»
Die Redaktion der DDP Schweiz hat «empört und schockiert» auf die am Donnerstag angekündigte Entlassung der Belegschaft reagiert. Die Redaktion habe über den Schritt im Orginaltextservice der Konkurrentin SDA erfahren müssen. Ein Sozialplan bestehe nicht.
Erst nach der Herausgabe der Mitteilung im Orginaltextservice habe ddp- Geschäftsführer Franz Maurer die Belegschaft mündlich informiert. Die Kündigungen seien unverständlich, nachdem die neuen Besitzer der DDP Schweiz sich nach der Übernahme der AP «im Dezember noch dezidiert zum Schweizer Dienst bekannt» hätten. Unverständlich sei, warum die «Aufrechterhaltung eines nationalen Schweizer Dienstes mit nur 15 Personen» plötzlich nicht mehr möglich sein soll. AP Schweiz habe die Medien schliesslich seit bald 30 Jahren erfolgreich mit Nachrichten beliefert. Tief enttäuscht zeigte sich die Redaktion, dass sie im Vorfeld dieser einschneidenden Massnahme nicht konsultiert wurde. Zudem lägen seitens der neuen Besitzer keinerlei Zusicherungen für einen Sozialplan oder irgendwelche Abfindungen vor. Dass der Schritt «auch im Interesse der Kunden» sein soll, leuchtet der Redaktion ebenfalls nicht ein. Konkurrenz belebe schliesslich auch das Mediengeschäft. Die Mitteilung der Redaktion schliesst: «Die Entlassungen treffen uns umso mehr, als wir uns stets äusserst engagiert für einen guten Agenturdienst eingesetzt haben.»
Comedia und Impressum fordern Sozialplan
Die Mediengewerkschaft Comedia konstatiert, dass DDP die AP Schweiz nur gekauft habe, um sie zu schliessen. Das sei eine weitere Hiobsbotschaft, weitere Medienschaffende stünden ohne Perspektive auf der Strasse. Comedia fordert von den beteiligten Unternehmen einen anständigen Sozialplan für die Entlassenen.
Der Journalistenverband Impressum schloss sich dieser Forderung an. Zudem seien die Entlassungen illegal. Die beiden Eigentümer AP GmbH und The Associated Press Germany GmbH unterhielten zusammen je eine Redaktion für die Deutschschweiz und für die Romandie.
Obwohl beide Firmen verschiedenen Eigentümern gehörten, unterhielten sie doch einen einzigen Betrieb mit mehr als 20 Angestellten. Folglich - so impressum - verletzten die Entlassungen die Regelungen für Massenentlassungen im Obligationenrecht.
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