«Ich möchte die grossen Linien zeichnen»

Der 40-jährige Journalist Peer Teuwsen hat die Verantwortung für die angekündigten Schweizer Extraseiten des Hamburger Leitmediums «Die Zeit» übernommen. Die Schweizer Ausgabe erscheint erstmals am 4. Dezember. Im Interview mit der Werbewoche spricht Teuwsen von seinen Erwartungen und vom Schreiben über die Schweiz.

WW:  Herr Teuwsen, Sie haben von der attraktiven Stelle als Ressortleiter Kultur und Wissenschaft bei der «Weltwoche» zur Hamburger «Zeit» gewechselt. Was bewog Sie zu diesem Schritt?

Peer Teuwsen:  Das Angebot war für mich sehr interessant, da «Die Zeit» eine der wichtigsten Zeitungen Europas ist. Interessant war aber auch die Idee, aus der Schweiz heraus die Schweiz zu beschreiben. Ich werde nicht nur auf den Schweizer Seiten schreiben, sondern je nach Bedarf auch für die Deutsche Ausgabe. Das ist wie ein publizistisches Einfallstor nach Europa, das reizt mich.

WW:  Wie ist Ihr Engagement bei der «Zeit» zustandegekommen?

Peer Teuwsen:  Giovanni di Lorenzo hat mich angefragt.

WW:  Ist die Stelle interessanter als jene bei der «Weltwoche»?

Peer Teuwsen:  Das würde ich nicht sagen, aber worauf ich mich freue ist, dass ich wieder vermehrt zum Schreiben kommen werde, auch wenn ich natürlich nicht den ganzen Teil selbst betreite. Ich freue mich zum Beispiel, wieder mal Portraits und Reportagen zu machen. Zudem ist die Schweiz international momentan sehr spannend, durch die Finanz- und Bankenkrise, durch den Steuerstreit mit der EU und Deutschland. Auch die grosse Verantwortung, die ich bei der «Zeit» haben werde, reizt mich. Ich kann die Inhalte weitgehend selbständig bestimmen, natürlich immer in Absprache mit der Chefredaktion, der ich direkt unterstellt bin. Mein Job in Zürich ist eine Mischung aus Korrespondent und Ressortleiter. Meine offizielle Bezeichnung ist übrigens «Büroleiter» (lacht).

WW:  In der Schweizer Ausgabe erscheinen ab dem 4. Dezember wöchentlich zwei Seiten extra über die Schweiz. Will man hierzulande zusätzliche Leser gewinnen?

Peer Teuwsen:  Das ist sicher ein Grund. In der Schweiz werden durchschnittlich nur etwa 7000 Exemplare pro Woche abgesetzt. Wenn man sich vor Augen hält, dass die «Zeit» insgesamt eine Auflage von rund 470'000 Exemplaren aufweist, ist das unverständlich wenig. Man will aber auch die bisher etwas vernachlässigte Berichterstattung über die Schweiz verbessern. In der Vergangenheit war das Land oft nur im Zusammenhang mit den Banken in der «Zeit».

WW:  In Österreich gibt es die Extraseiten bereits seit drei Jahren. Hat sich das gelohnt?

Peer Teuwsen:  Ja, in Österreich sind die Extraseiten mit einem Umfang von ebenfalls zwei Seiten sehr gut angekommen. Die Auflage ist gestiegen. In der Schweiz wird so ein Erfolg schwieriger. Die Dichte an qualitativ hochstehenden Zeitungen ist grösser, das Land ist bereits sehr gut bedient.

WW:  Chefredaktor di Lorenzo sagte in einer Pressemitteilung, die Nische für eine liberale Wochenzeitung in der Schweiz sei heute grösser als noch vor ein paar Jahren. Meinte er damit das Loch, das die «Weltwoche» mit dem Abgleiten nach rechts hinterlassen hat? Die «Weltwoche» wurde ja von der «Zeit» bis zum Antritt Roger Köppels als Schweizer Schwesterblatt verstanden.

Peer Teuwsen:  Da müssen Sie di Lorenzo selbst fragen.

WW:  Haben Sie bereits bestimmte Themen für die ersten Ausgaben im Visier?

Peer Teuwsen:  Das ist noch nicht spruchreif. Übers Ganze gesehen geht es mir aber nicht darum, beispielsweise über die zwischenparteilichen Auseinandersetzungen in der Schweiz zu schreiben. Ich werde eher versuchen, die grossen Linien zu zeichnen, ein Gesamtbild.

WW:  In welchem Bund erscheinen die zwei Schweizer Extraseiten?

Peer Teuwsen:  Am Ende des ersten Buchs – so heisst ein Bund bei der «Zeit» –, also auf der letzten und vorletzten Seite des Politikteils. Die Inhaltsübersicht auf der letzten Seite wird dafür stark reduziert. Auf der vorletzten Seite fällt eine Meinungsseite weg.

WW:  Sie schreiben auch für ein ausländisches Publikum über die Schweiz. Wie wollen Sie als Schweizer eine Aussensicht gewinnen?

Peer Teuwsen:  Indem ich schaue, wie die Schweiz von aussen wahrgenommen wird, wie über sie geschrieben wird. Ich werde mir auch deutsche Gesprächspartner suchen, zum Beispiel mit deutschen Politikern über die Schweiz sprechen.

WW:  Sie waren zwei Jahre bei der «Weltwoche», ist Ihnen der Abscheid schwergefallen?

Peer Teuwsen:  Einerseits nein, weil mich die neue Aufgabe sehr reizt. Andererseits ja – ich verlasse viele hervorragende Journalisten, mit denen ich intensiv und freudschaftlich zusammengearbeitet habe. Das fiel mir schon eher schwer.

WW:  Sie haben bei der «Zeit» zwar erst begonnen, aber ich frage dennoch: Haben Sie Pläne, wie lange sie dort bleiben wollen?

Peer Teuwsen:  Nein, ich will das so lange wie möglich machen. Ich habe keine umfassende Lebensplanung.

Interview:elk

Interview

29.10.2008 | 00:41
MEDIA & MEDIEN
3 KOMMENTARE
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KOMMENTARE

Constant Pochon, Genf

Ein Foto vom Gast h?tte gut zum Interview gepasst.

29.10.2008

Michael Barney

Besser konnte sich hier einer mit Schweizer Genen nicht um klare Stellungnahmen herum wedeln. Oh, da wird es aber "ZEIT", dass unsereins nebst anderen endlich mal aus einer deutschen Gazette heraus knallharten Schreibe konsumieren dürfen. Okay, ob "Weltwoche" oder "GlücksPost", wer will da alles im "BLICK" haben. Kei Ahnig, moll, moll!

30.10.2008

Alice

Bin ja mal gespannt, welche Prioritäten der Herr Teuwsen in seiner Berichterstattung über die Schweiz setzt.

31.10.2008

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