«Wenn ich bei Zalando bestelle, unterstütze ich keine Schweizer Arbeitsplätze»

Sarah Kreienbühl ist seit 2018 als einzige Frau Mitglied der Migros-Generaldirektion. Dank ihr soll die Kommunikation künftig «aus einem Guss» kommen. Und: Die ausländischen Online-Giganten meidet sie privat aus Prinzip.

Nebst dem Personal und dem Kulturprozent verantwortet Kreienbühl auch die Kommunikation. Im Interview mit der SonntagsZeitung erklärt die 47-Jährige, wie ein Unternehmen wie die Migros künftig kommunizieren sollte: «Unsere Botschaften sollen aus einem Guss daherkommen und auf allen Kanälen konsistent sichtbar werden.» Dabei gehe es nicht darum, in die redaktionelle Freiheit des Migros-Magazin einzugreifen und journalistische Freiheiten zu beschneiden. In der heutigen Zeit müssten Botschaften aber konsistent sein. «Unsere Kundschaft liest viel über die Migros, das Unternehmen ist im Umbruch. Das kann verwirrend sein. Wir wollen unsere Botschaften stringenter rüberbringen und so Orientierung bieten.»

Kreienbühl spielt dabei wohl auf die Umstände an, dass die Migros in jüngerer Vergangenheit – eher ungewohnterweise – auch in die Negativschlagzeilen kam. Im Juni wurde etwa bekannt, dass das Unternehmen in den nächsten drei Jahren 290 Stellen abbauen will.

Dennoch will die Migros eine gute Arbeitgeberin bleiben und etwa Pensionskassenleistungen und GAV «so lange wie möglich aufrechterhalten», wie Kreienbühl sagt. Sie weist damit auf die steigenden Umsätze hin, welche ausländische Online-Firmen in der Schweiz erwirtschaften. «Wenn ich bei Zalando bestelle, unterstütze ich keine Schweizer Arbeitsplätze», mahnt sie – und geht in dieser Frage mit gutem Vorbild voran: Sie selbst habe aus moralischen Gründen noch nie bei Zalando, Amazon oder Alibaba bestellt, verrät Kreienbühl.

Zusätzlich will sie die Stellung der Frau im Unternehmen stärken – auch im Kader. So könne sie sich etwa vorstellen, dass auch Kaderstellen mit 80 Prozent Pensum ausgeschrieben würden, «oder dass wir konkrete Angebote für einen Wiedereinstieg nach der Mutterschaftspause schaffen, wo viele Eltern stark gefordert sind.» Auf Kaderstufe weist die Migros-Gruppe einen Frauenanteil von 30,9 Prozent aus. Dieser Wert sei zwar im Vergleich zu anderen Unternehmen gut, sagt Kreienbühl, doch sehe man weiteres Potential. Besonders auf Direktionsstufe, wo der Frauenanteil nur bei 16,7 Prozent liege. Konkrete Massnahmen zur Stärkung der Frau hat Kreienbühl bereits in die Tat umgesetzt. So hat sie beispielsweise soeben eine Diversity-Verantwortliche eingestellt. (hae)

So 04.11.2018 - 11:28
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Kommentare

Da hat die Migros mit Frau Krähenbühl wieder eine ehrenvolle Geschichtenerzählerin eingestellt. Dass die Schweizer immer häufiger auf der anderen Seite der Schweizer Grenze einkaufen wundert mich nicht, denn erst da sieht man, welche Preisunterschiede möglich sind. Frau Krähenbühl hat mit ihrem Einkommen sicherlich keine Budgetprobleme und kann ungehindert in jedem Geschäft ihre Einkäufe tätigen. Wer aber auf das Budget schauen muss, findet auch in der Schweiz unterschiedliche Angebote, aber im Verhältnis zum deutschen Preisniveau hält der Vergleich für Produkte des täglichen Bedarfs nicht Stand. Auch die Migros Produktionsbetriebe verkaufen ihre Made in Switzerland Produkte im Ausland. Interessanterweise kann man sie dort um beinahe die Hälfte erstehen als bei uns. Dabei ist die Frage erlaubt, weshalb kann die Ware zu diesen Preisen im Ausland verkauft werden, die Produktion erfolgt doch mit Schweizer Lohnniveau. Die zukünftigen Geschichten der Frau Krähenbühl sollten den Leser doch etwas
ernster nehmen. Dieses Sorgen-Thema bedarf einer etwas vertieften Betrachtung.

Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Zudem geht es ja auch nicht nur um den Händler selber sondern auch die Produkte. Nur weil ich bei Digitec Galaxis einkaufe, kaufe ich ja nicht automatisch nur Schweizer Produkte... Konsequent wäre, wenn Frau Kreienbuehl & Co nur noch Schweizer Produkte kauften, und die Migros keine Eigenprodukte billig im Ausland verkauften.

Liebe Frau Kreienbühl
Ehrenwert, dass Sie erwähnen, dass durch den Kauf in ausländischen Onlineshops keine Schweizer Arbeitsplätze unterstützt werden.
Die Migros soll doch mit gutem Beispiel vorangehen. Aber: die Migros beschafft in grossem Stil Produkte und Dienstleistungen im Ausland, statt sie in der Schweiz einzukaufen. Warum: Erhöhung der Margen, denn die tieferen Einkaufspreise werden nicht vollumfänglich an die Konsumenten weitergegeben. Darum gehe ich ohne schlechtes Gewissen im Ausland einkaufen!

Ja, bei der Migros auch bald nicht mehr. Man fragt sich ohnehin, wieso Migros meint, dass sie ein naturgegebens Anrecht hat, dass Schweizer bei Migros einkaufen sollten.

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