«Ich empfinde es heute als grossen Vorteil, eine Frau zu sein»

Regula Bührer Fecker, Mitgründerin von Rod Kommunikation und Autorin des Buches «Frauenarbeit», beantwortet die Fragen der Werbewoche zur Stellung der Frauen in der Schweizer Werbebranche.

Regula Bührer Fecker hat Rod 2007 mit David Schärer und Oliver Fennel gegründet und ist eine von 
vier Partnern der Agentur. Die Strategin hat 2010 und 2014 den Titel «Werberin des Jahres» gewonnen.

Werbewoche: Wieso gibt es nicht mehr Frauen in den Führungsetagen der Kommunikationsbranche?

Regula Bührer Fecker: Das stimmt so in Bezug auf kleinere Agenturen sicher nicht, da hat es sehr viele Frauen, die gründen und führen. Bei den grossen sieht es männlicher aus, aber das ist nur eine Frage der Zeit: Gerade die internationalen Netzwerke werden da ja sicher auch einmal den Druck der Zentrale verspüren, daran was zu ändern.

 

Wie viele Frauen arbeiten in Ihrer Agentur und wie viele Männer?

Wir sind etwa ausgeglichen, halbe-halbe. 

 

Herrscht in Ihrer Agentur Lohngleichheit?

Ja.

 

Angenommen, Ihre Agentur führt eine Frauenquote ein. Was halten Sie davon?

Ich bin gegen jede Art von Quote. Qualität muss sich durchsetzen. Sonst ist man immer die Quotenfrau, und das ist eine absolute Loser-Position. 

 

Was müsste sich ändern, damit sich Familie und Karriere für Frauen besser unter einen Hut bringen liessen?

Nichts. Es ist alles da. Wir können zugreifen. Sprich: Es geht, man muss es selber wollen. Die Generationen vor uns haben weit härter gekämpft. 

 

Wären Sie ein Mann – wären Sie heute an einer anderen Position?

Ja, ich wäre nicht so sehr als anders aufgefallen.

 

Was können Männer – bezogen auf Ihr berufliches Umfeld – besser?

Clubs bilden, Seilschaften. Davon gibt es in der Werbung viele.

 

Was können Frauen besser?

Das ist etwas klischiert ausgedrückt, aber ich glaube, Frauen planen und organisieren in der Regel besser als Männer. Aber es gibt bei beiden Geschlechtern Ausnahmen.

 

Wieso gibt es mehr Werber des Jahres als Werberinnen des Jahres?

Ich finde – im Vergleich zu anderen Branchen – war die Werbung relativ früh dran, gute Frauen auszuzeichnen, wenn ich an die Titelträgerinnen denke seit 1977 – Doris Gisler-Truog, Yvonne Hodel, Yvonne del Medico, Liliane Lerch, Danielle Lanz, Nadine Borter und mich selber. In anderen Branchen sähe das ganz anders aus. Die Frage ist, wie wir weitermachen, wer die nächste ausgezeichnete Frau sein wird.

 

Welche Berufskollegin hat Sie in ihrer bisherigen Karriere am meisten beeindruckt?

Ich habe in meinen Anfangsjahren mit ein paar ganz tollen Frauen gearbeitet, zu denen ich aufsehen konnte, das hat mich als Zwanzigjährige sehr motiviert. Unter anderem: Christina Benz, Marion Marxer, Nicole Boss (heute Bretscher), Petra Hiltenbrand, Marianne Weibel, Silvia Schneider (damals Klimesch). Und als Verwaltungsrätin waren das wiederum andere. Es sind viele. Und eben genau diese Vielseitigkeit zu sehen und zu sehen, wie unterschiedlich man gut sein kann, das hilft für das eigene Leben. 

 

Haben Sie – bezogen auf Ihre berufliche Laufbahn – schon einmal negative Erfahrungen gemacht, die Sie als Mann nicht gemacht hätten?

Nein, im Gegenteil. Ich empfinde es heute als grossen Vorteil, eine Frau zu sein. Noch fällt man extrem auf, wenn man was drauf hat! Meine Tochter wird es – wenn sich die Welt so verändert, wie ich das antizipiere – viel schwerer haben qua Geschlecht aufzufallen.

 

Was raten Sie jungen Frauen, die in diese Branche einsteigen und mittel- bis langfristig Ihre Position erreichen wollen?

Lesen Sie mein Buch, «#Frauenarbeit – Tipps und Tricks für junge Berufsfrauen». Es fasst alles zusammen, was ich erlebt habe und meine zu wissen und weitergeben zu können.

 

Empfehlen Sie jungen Frauen den Einstieg in Ihre Branche?

Ja!

 

Was halten Sie von der Gender-Diskussion in Ihrer Branche grundsätzlich?

Ich glaube, wir sollten über die Diskussion hinwegfinden und uns einfach normal verhalten, sprich gute Frauen einstellen und fördern ebenso wie gute Männer.

 

Bisher erschienen:

Pam Hügli

Petra Drefyus

Simone Fluri

Andrea Bison

Danielle Knecht-Lanz

Gaby Zimmerli

Sybille Erdmann

 

Dieser Artikel stammt aus der «Frauenausgabe» der Werbewoche (8/2018 vom 4. Mai 2018).

Redaktion: Ann-Kathrin Kübler, Thomas Häusermann

Mo 11.06.2018 - 20:38

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