«Zu wenige Frauen wollen in die Führungsetage – unabhängig von der Branche»

Sybille Erdmann ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der Bieler Agentur Erdmannpeisker. Sie ist die siebte Führungspersönlichkeit, die uns verrät, wie es um die Frau in der Schweizer Werbebranche steht.

1999 gründete Sybille Erdmann zusammen mit Gabriel Peisker die Agentur Erdmannpeisker, bei der sie auch heute noch Geschäftsführerin ist.

Werbewoche: Wieso gibt es nicht mehr Frauen in den Führungsetagen der Kommunikationsbranche?

 

Sybille Erdmann: Das klingt jetzt nicht nett, ist aber meine persönliche Meinung: Es liegt daran, dass zu wenige Frauen in die Führungsetage wollen. Und das unabhängig von der Branche.

 

 

Wie viele Frauen arbeiten in Ihrer Agentur und wie viele Männer?

8:5.

 

Herrscht in Ihrer Agentur Lohngleichheit?

Absolut, seit 19 Jahren.

 

Angenommen, Ihre Agentur führt eine Frauenquote ein. Was halten Sie davon?

Ich finde die Frauenquote absoluten Schwachsinn.

 

Was müsste sich ändern, damit sich Familie und Karriere für Frauen besser unter einen Hut bringen liessen?

Zuerst müsste sich die Einstellung der Frauen ändern. Mehr engagierte Frauen in der Politik und Wirtschaft würden dafür sorgen, dass zum einen bezahlbare Kinderbetreuung umgesetzt wird und zeigen, dass auch Führungsverantwortung mit Teilzeitarbeit möglich ist.

 

Wären Sie ein Mann – wären Sie heute an einer anderen Position?

Nein.

 

Was können Männer – bezogen auf Ihr berufliches Umfeld – besser?

Sich aufblasen.

 

Was können Frauen besser?

Sich nicht so wichtig nehmen, sondern die Sache in den Vordergrund stellen.

 

Wieso gibt es mehr Werber des Jahres als Werberinnen des Jahres?

Weil es leider noch weniger Frauen gibt und die, die es gibt, sich nicht in den Vordergrund drängen.

 

Welche Berufskollegin hat Sie in ihrer bisherigen Karriere am meisten beeindruckt?

Keine.

 

Haben Sie – bezogen auf Ihre berufliche Laufbahn – schon einmal negative Erfahrungen gemacht, die Sie als Mann nicht gemacht hätten?

Nein.

 

Was raten Sie jungen Frauen, die in diese Branche einsteigen und mittel- bis langfristig Ihre Position erreichen wollen?

Gas geben. Interessiert sein, zuhören, lernen, weiterbilden, auseinandersetzen, durchbeissen, ausprobieren.

 

Empfehlen Sie jungen Frauen den Einstieg in Ihre Branche?

Unbedingt. Die Branche ist so vielfältig, interessant und undefiniert. Es gibt heute Jobs, die es vor fünf Jahren noch nicht gab, und so wird es weitergehen.

 

Was halten Sie von der Gender-Diskussion in Ihrer Branche grundsätzlich?

Jeder soll leben, wie er will. Das macht die Menschen interessant.

 

Bisher erschienen:

Pam Hügli

Petra Drefyus

Simone Fluri

Andrea Bison

Danielle Knecht-Lanz

Gaby Zimmerli

 

Dieser Artikel stammt aus der «Frauenausgabe» der Werbewoche (8/2018 vom 4. Mai 2018).

Redaktion: Ann-Kathrin Kübler, Thomas Häusermann

 

So 10.06.2018 - 11:08
Wirtschaftsgebiet & Region

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