«Die Einführung einer Frauenquote finde ich absurd - was zählt, ist das Können»

Gaby Zimmerli führte bis im Juni 2018 Ogilvy & Mather als Managing Director. In unserem Interview verrät sie, wie sie die Situation der Frau in der Schweizer Werbebranche einschätzt.

Werbewoche: Wieso gibt es nicht mehr Frauen in den Führungsetagen der Kommunikationsbranche?

Gaby Zimmerli: Ich glaube, dass der Frauenanteil in den Führungsetagen in der Kommunikationsbranche, verglichen mit anderen Branchen, überdurchschnittlich ist. Persönlich hatte ich nie das Gefühl schlechtere Chancen als ein männlicher Kollege gehabt zu haben.

 

Wie viele Frauen arbeiten in Ihrer Agentur und wie viele Männer?

Bei Ogilvy Schweiz macht der Frauenanteil 59 Prozent aus.

 

Herrscht in Ihrer Agentur Lohngleichheit?

Bei Salärverhandlungen und der Salärfestlegung spielt das Geschlecht absolut keine Rolle.

 

Angenommen, Ihre Agentur führt eine Frauenquote ein. Was halten Sie davon?

Die Einführung einer Frauenquote finde ich absurd. Was zählt, ist das Können, die Begeisterung für die Kommunikation, das Feuer.

 

Was müsste sich ändern, damit sich Familie und Karriere für Frauen besser unter einen Hut bringen liessen?

Da fehlt mir die Erfahrung. Ich denke, dass die Schulen heute bereits viel unternommen haben, um die Betreuung über Mittag zu vereinfachen. Private Kinderhorte stehen ebenso zur Verfügung. Ich stelle mir vor, dass es immer anspruchsvoller sein wird, wenn beide Elternteile eine Karriere verfolgen wollen.

 

Wären Sie ein Mann – wären Sie heute an einer anderen Position?

Nein. Davon bin ich fest überzeugt.

 

Was können Männer – bezogen auf Ihr berufliches Umfeld – besser?

Besser? Es gibt immer Männer, und übrigens auch Frauen, die etwas besser können. Etwas ganz Spezifisches wüsste ich nicht. Ausser, dass die Männer vielleicht etwas weniger zögerlich und weniger kompromissbereit sind.

 

Was können Frauen besser?

Frauen sind meist härter mit sich selbst.

 

Wieso gibt es mehr Werber des Jahres als Werberinnen des Jahres?

Das weiss ich nicht. Frauen sind wohl bescheidener.

 

Welche Berufskollegin hat Sie in ihrer bisherigen Karriere am meisten beeindruckt?

Shelly Lazarus als ehemalige CEO von Ogilvy. Sie war eine hervorragende Werberin und Kommunikatorin. Sie blieb all die Jahre, die ich sie kannte, bescheiden, natürlich und war unglaublich motivierend.

 

Haben Sie – bezogen auf Ihre berufliche Laufbahn – schon einmal negative Erfahrungen gemacht, die Sie als Mann nicht gemacht hätten?

Nein, oder ich wüsste es nicht.

 

Was raten Sie jungen Frauen, die in diese Branche einsteigen und mittel- bis langfristig Ihre Position erreichen wollen?

Erstens: Freude und Begeisterung an dem haben, was man tut. Zweitens: Ein durchschnittlicher Einsatz genügt nicht, es braucht mehr.

 

Empfehlen Sie jungen Frauen den Einstieg in Ihre Branche?

Absolut.

 

Was halten Sie von der Gender-Diskussion in Ihrer Branche grundsätzlich?

Beschämend, dass eine solche Diskussion überhaupt geführt werden muss.

 

Nach etwas mehr als 26 Jahren bei Ogilvy, mehr als 18 Jahre davon als Managing Director von Ogilvy & Mather Schweiz, übergab Gaby Zimmerli die Führung der Agentur per 1. Juni 2018 an Jonathan Schipper.

 

 

Bisher erschienen:

Pam Hügli

Petra Drefyus

Simone Fluri

Andrea Bison

Danielle Knecht-Lanz

 

Dieser Artikel stammt aus der «Frauenausgabe» der Werbewoche (8/2018 vom 4. Mai 2018).

Redaktion: Ann-Kathrin Kübler, Thomas Häusermann

Do 07.06.2018 - 16:08

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