«Die biologische Uhr müsste noch ein paar Jahre länger ticken»

Danielle Knecht-Lanz, Geschäftsleiterin und Mitgründerin von Ruf Lanz, ist die fünfte Führungspersönlichkeit aus der Schweizer Werbebranche, die sich unseren Fragen zum Gender-Thema stellt.

Danielle Knecht-Lanz ist Geschäftsleiterin bei der Agentur Ruf Lanz, die sie 2001 mit Markus Ruf gründete. 1999 wurde sie zur jüngsten Werberin des Jahres gekürt.

Werbewoche: Wieso gibt es nicht mehr Frauen in den Führungsetagen der Kommunikationsbranche?

Danielle Knecht-Lanz: Das ist ein allgemeines Phänomen. Die Werbebranche verhält sich wie viele andere Branchen. Frauen sind untervertreten.

 

Wie viele Frauen arbeiten in Ihrer Agentur und wie viele Männer?

Momentan ist der Anteil etwa fifty-fifty. Ohne dass wir dies angestrebt hätten.

 

Herrscht in Ihrer Agentur Lohngleichheit?

Ja, selbstverständlich. Wir bezahlen nach Leistung und nicht nach Sex.

 

Angenommen, Ihre Agentur führt eine Frauenquote ein. Was halten Sie davon?

Quoten sind ja für die GL-Stufe in Diskussion. Bei uns nicht nötig. Markus ist eindeutig ein Mann, ich eine Frau. Geht prima auf.

 

Was müsste sich ändern, damit sich Familie und Karriere für Frauen besser unter einen Hut bringen liessen?

Die biologische Uhr müsste noch ein paar Jahre länger ticken.

 

Wären Sie ein Mann – wären Sie heute an einer anderen Position?

Ich glaube nicht. Persönlichkeit und Talent sind in unserer Branche wichtiger als das Geschlecht.

 

Was können Männer – bezogen auf Ihr berufliches Umfeld – besser?

Am Sechseläuten mitmarschieren in Strumpfhosen.

 

Wieso gibt es mehr Werber des Jahres als Werberinnen des Jahres?

Das ist die logische Folge davon, dass es in Spitzenpositionen weniger Frauen als Männer gibt. Vielleicht auch davon, dass es unter den Frauen etwas mehr «stille Schafferinnen» gibt als unter den Männern.

 

Welche Berufskollegin hat Sie in ihrer bisherigen Karriere am meisten beeindruckt?

Das ist Martin Suter, obwohl er nicht 100 Prozent ins Schema Ihrer Frage passt.

 

Haben Sie – bezogen auf Ihre berufliche Laufbahn - schon einmal negative Erfahrungen gemacht, die Sie als Mann nicht gemacht hätten?

Nein. Ich fühle mich als Frau sogar bevorzugt behandelt.

 

Was raten Sie jungen Frauen, die in diese Branche einsteigen und mittel- bis langfristig Ihre Position erreichen wollen?

Talent, Leistungsbereitschaft, Konfliktfähigkeit und Führungsstärke.

 

Empfehlen Sie jungen Frauen den Einstieg in Ihre Branche?

Bei obigem Quartett ja.

 

Bisher erschienen:

Pam Hügli

Petra Drefyus

Simone Fluri

Andrea Bison

 

Morgen: Gaby Zimmerli, zum Zeitpunkt der Erstpublikation Ogilvy & Mather

Dieser Artikel stammt aus der «Frauenausgabe» der Werbewoche (8/2018 vom 4. Mai 2018).

Redaktion: Ann-Kathrin Kübler, Thomas Häusermann

 

Mi 06.06.2018 - 16:58

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