«Bei Thjnk Zürich bräuchten wir eher eine Männerquote»

Andrea Bison ist Geschäftsführerin Beratung von Thjnk Zürich und leitet die Agentur seit ihrer Gründung zusammen mit Alexander Jaggy. Auch sie hat sich unseren Fragen zum Gender-Thema gestellt.

Andrea Bison war bereits Partnerin der Hamburger Agenturgruppe Thjnk, als sie mit Alexander Jaggy 2016 Thjnk Zürich als Geschäftsführerin Beratung aufbaute.

Werbewoche: Wieso gibt es nicht mehr Frauen in den Führungsetagen der Kommunikationsbranche?

 

Andrea Bison: Der Job als Führungskraft fordert mehr als 100 Prozent – das kann nicht jede Frau dafür geben. Und nicht jede Frau will das auch.

 

 

Wie viele Frauen arbeiten in Ihrer Agentur und wie viele Männer?

Die Männer sind mit 38 Prozent in der Minderheit.

 

Herrscht in Ihrer Agentur Lohngleichheit?

100 Prozent.

 

Angenommen, Ihre Agentur führt eine Frauenquote ein. Was halten Sie davon?

Wir bräuchten eher eine Männerquote.

 

Was müsste sich ändern, damit sich Familie und Karriere für Frauen besser unter einen Hut bringen liessen?

Ganztagsbetreuung für Kinder ab eins sowie Ganztagsschulen – bezahlbare, attraktive Lösungen für Elternauszeit, Abrücken vom alten Rollenbild in der Gesellschaft, Umdenken bei den Männern, was die Arbeitsteilung zuhause betrifft, und mehr Flexibilität seitens der Arbeitgeber für familienfreundliche Arbeitsmodelle.

 

Wären Sie ein Mann – wären Sie heute an einer anderen Position?

Nein, ich hätte nur nicht drei Kinder bekommen.

 

Was können Männer – bezogen auf Ihr berufliches Umfeld – besser?

Sich die richtigen Aufgaben herauspicken.

 

Was können Frauen besser?

Mit Fleiss selbstlose Punkte sammeln.

 

Wieso gibt es mehr Werber des Jahres als Werberinnen des Jahres?

In der Regel wird nicht die beste Texterin, Art Director oder Junior Beraterin prämiert. Je weniger Frauen in Führungsrollen, desto weniger Chancen auf eine Auszeichnung.

 

Welche Berufskollegin hat Sie in ihrer bisherigen Karriere am meisten beeindruckt?

Jede einzelne auf ihre Art.

 

Haben Sie – bezogen auf Ihre berufliche Laufbahn – schon einmal negative Erfahrungen gemacht, die Sie als Mann nicht gemacht hätten?

Ja. Spannend fände ich, was Männer auf die Frage antworten würden.

 

Was raten Sie jungen Frauen, die in diese Branche einsteigen und mittel- bis langfristig Ihre Position erreichen wollen?

Tue Gutes und sprich darüber.

 

Empfehlen Sie jungen Frauen den Einstieg in Ihre Branche?

18 Jahre in Agenturen sind ein klares Liebesbekenntnis. Auch heute noch kann ich es empfehlen.

 

Was halten Sie von der Gender-Diskussion in Ihrer Branche grundsätzlich?

Ich glaube an die Kraft der Vielfalt. Und Vielfalt kommt von selbst, wenn Leistung objektiv betrachtet wird.

 

Bisher erschienen:

Pam Hügli

Petra Drefyus

Simone Fluri

Morgen: Danielle Knecht-Lanz, Ruf Lanz

 

Dieser Artikel stammt aus der «Frauenausgabe» der Werbewoche (8/2018 vom 4. Mai 2018).

Redaktion: Ann-Kathrin Kübler, Thomas Häusermann

Di 05.06.2018 - 10:23

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