Martin Suter wird siebzehneinhalb respektive 70 Jahre alt

«Ich bin ein Glückskind», sagte Martin Suter einmal: Er ist am 29. Februar 1948 geboren, ein Schalttag, der auf einen Sonntag fiel. Sein Glück ist, gut von dem leben zu können, was er am liebsten macht: Schreiben. Zuerst als Werbetexter, dann als Drehbuchautor und Kolumnist und heute vor allem als Romanautor.

Mit 26 war Suter bereits Creative Director bei GGK Basel – die Werbewoche berichtete.

Dass er schreiben kann, merkte er, als sein Deutschlehrer am Collège Saint Michel in Freiburg seinen Aufsatz der Klasse vorlas. Mit 16 wusste der Sohn eines Ingenieurs, dass er Schriftsteller werden wollte. Das Germanistikstudium in Basel brach er nach einem Semester ab, weil er nicht mochte, wie dort Texte seziert wurden.

Gerne hätte er für die Studentenzeitschrift Collibri geschrieben, «aber die wollten mich nicht», sagt er. Er dürfe aber gern Inserenten akquirieren. Einem der Klienten gefiel Suters Werbebrief so gut, dass er ihn ermunterte, Werbetexter zu werden. Bis zu dem Zeitpunkt wusste der knapp 20-Jährige nicht, dass es so eine Ausbildung überhaupt gibt.

Er landete schon als Lehrling einen Hit - mit dem Bankslogan «Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten, Sie arbeiten ja auch für ihr Geld». Wie zynisch der Spruch war, realisierte Suter erst später. Unter anderem, weil er den Satz in einem Tagebuch von Max Frisch lesen musste, der sich sehr darüber geärgert hatte. «Da habe ich mich geniert», gestand Suter später in einem Interview.

 

Das Werbe-Wunderkind

Mit 26 war Suter bereits Creative Director der renommierten Basler Werbeagentur GGK, später gründete er mit einem Partner eine eigene Agentur und wurde Präsident des Art Directors Club der Schweiz. Der gute Verdienst in der Werbebranche erlaubte ihm, Auszeiten zu nehmen, um Reportagen für GEO und Drehbücher für Film und Fernsehen zu verfassen.

1992 kam Jürg Ramspeck von der Weltwoche auf ihn zu und bot ihm an, eine Kolumne über die Marotten von Wirtschaftsleuten zu verfassen. 2000 Franken, später auch mehr, strich er pro «Business Class»-Kolumne ein, bis 2004 bei der Weltwoche danach drei Jahre im Magazin des Tages-Anzeiger. Nachdem er gefragt wurde, ob es nicht auch etwas billiger gehe, verfasste er einen Artikel ohne Schluss. Die Pointe müsse aus Kostengründen entfallen, schrieb er.

1997 kam Suters erster Roman «Small World» heraus und wurde ein durchschlagender Erfolg. Sein zweiter, "Die Gedächtnislagune", sei ihm aber dann «abverreckt» und zum Glück nicht gedruckt worden, gestand Suter später. Von den 14 bisher erschienenen Romanen - zehn grössere und vier etwas weniger anspruchsvolle aus der «Allmen»-Reihe - ist ihm keiner mehr «abverreckt», neun wurden verfilmt.

 

Mit Honig fängt man Bienen

Daneben verfasste Suter vier Theaterstücke, mehrere Drehbücher, das erfolgreichste wohl für den Film «Giulias Verschwinden», der unter anderem den Publikumspreis in Locarno erhielt, dazu Songtexte für Stephan Eicher und ebenfalls mit ihm das Singspiel «Geri», nach den «Richtig leben mit Geri Weibel»-Kolumnen.

Sein privates Glück fing sich Martin Suter in den 70er Jahren miteinem Topf Honig ein. Nachdem er mit 20 Jahren die Malerin Vivian Wild geheiratet und mit ihr unter anderem durch Afrika und Indien gereist war, lernte er seine jetzige Frau Margrith Nay kennen. Bei einem Besuch bei Freunden in Ibiza war er gebeten worden, Nay, die er nicht kannte, einen Topf Honig nach Basel mitzubringen.

Der Zorn der Götter

Die Trennung von Vivian Suter erfolgte in Minne, seit den 80er Jahren wohnten Suter und seine zweite Frau während dem europäischen Winter in derselben guatemaltekischen Stadt Panajachel, wo auch seine Ex lebt. Den Sommer verbrachten die Suters auf Ibiza. Vor ein paar Jahren verlegten sie den Wohnsitz nach Zürich, um der Adoptivtochter Anna eine stressfreie Ausbildung zu ermöglichen.

Mit Anna zusammen hatten die Suters deren Bruder Antonio in Guatemala adoptiert. Doch 2009 erstickte der Bub an einem Bissen, der ihm in den falschen Hals geraten war. Es komme ihm vor, als habe er mit dem grossen Glück, das er erfahren durfte, den Zorn der Götter auf sich gezogen, sagte Suter damals.

 

Die leidige Trivial-Debatte

Ganz reibungslos verlief Suters Karriere doch nicht. Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, er schreibe Trivialliteratur. «Wir hätten es
in der Regel halt gerne ästhetisch komplex», sagte ein Rezensent der NZZ – «und erfolglos» konterte Suter.

Weit gemeiner an den Karren gefahren war dem Autor 2011 Ulrich Greiner in der Zeit: «Kurz gesagt: Suter kann nicht schreiben» war sein Fazit, nachdem er dem Schriftsteller oberlehrerhaft Fehler beispielsweise bei der Consecutio temporum vorgeworfen hatte.

Suter seinerseits versteht sich als Unterhaltungsautor: «Ich versuche, eine Geschichte zu erzählen, bei der nicht alle paar Meter ein schöner Satz herausragt wie ein Hindernis auf einem
Fitness-Parcours. Die Sprache eines Romans soll diskret der Geschichte dienen.»

«Meine Geschichten beginnen auf der 1. Seite und enden auf der letzten. Wenn sie darüber hinauswirken, dann freut mich das. Beabsichtigen tu ich das aber nicht. Ich habe keine Message», sagte er jüngst bei einem Workshop an den Solothurner Filmtagen.

 

Stets tadellos gekleidet

Martin Suter ist ein Berufsautor mit hohem Arbeitsethos, er arbeitet nach festem Stundenplan wie die meisten anderen Erwerbstätigen. Dabei lümmelt er nicht etwa im Trainer rum, sondern trägt stets Anzug und Krawatte.

Als er für seinen jüngsten Bestseller «Elefant» in der Obdachlosenszene recherchierte, riet ihm ein Betroffener, er solle besser nicht in der Schale kommen. Also liess Suter halt die Krawatte weg. (Irene Widmer/SDA)

Mi 28.02.2018 - 17:04

Kommentare

neuen Kommentar schreiben

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.