Doodle-Gründer Myke Näf: Business-Angel und professioneller Tüftler

Der Online-Terminplaner Doodle ist seit 2007 nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Erfunden hat ihn der Wahlzürcher Myke Näf. Dies ist nun schon ein paar Jahre her – doch Myke Näf ist aktiv und scheut nur eines: den Stillstand. Die Werbewoche hat den findigen Kopf und Business-Angel auf der Dachterrasse des Swiss Life Labs getroffen.

Zusammen mit Paul E. Sevinç Ehrenpreisträger des Best of Swiss Web Awards 2017: Doodle-Gründer Michael «Myke» Näf (Foto: Malini Gloor).

Myke Näf, 43, schreibt sich aus Prinzip mit Y: «Es gab einfach zu viele Mikes in meinem Umfeld, da musste ich Gegensteuer geben», so der Wahlzürcher mit einem verschmitzten Lächeln. Im aargauischen Fricktal sehr ländlich aufgewachsen, interessierte er sich bereits früh für Informatik. «Mit elf Jahren habe ich viel an meinem Computer herumgespielt. Man kann sagen, dass ich ein richtiger Nerd war.»

Bald begann er auch zu programmieren – schon damals mit einem nützlichen Hintergedanken: «Mit 13 Jahren erstellte ich ein Kochrezepte-Verwaltungsprogramm für Bekannte.» Er fand und findet die Auseinandersetzung mit der Informatik und die Möglichkeiten, die sich so bieten, faszinierend.

 

Informationssicherheit als Hauptinteresse

Nach Abschluss der Kantonsschule in Aarau zog es Myke Näf 1993 nicht nur zum Wohnen nach Zürich, sondern auch an die ETH, wo er, man ahnt es, Informatik studierte. Schon bald engagierte er sich in der Erwachsenenbildung und schulte die Teilnehmer in Informationssicherheit. Auf den Philippinen unterrichtete er ebenfalls angewandte Informationssicherheit.

 

 

Vom Sachbuchautor zum Unternehmer

Am Flughafen Zürich war er ICT Chief Security Officer, bei SIX Telekurs Security Engineer. Als Autor und Mitautor von drei Sachbüchern zum Thema Internetsicherheit und Informationsbeschaffung im Internet positionierte er sich als Internetexperte.

Später programmierte Myke Näf Doodle für seinen Freundeskreis. Von selbst verbreitete sich das Programm wie ein Lauffeuer. Kaum erstaunlich, dass 2007 die Selbstständigkeit mit Doodle folgte. Er kündigte seine Dozentenstelle an der ETH: «Doodle war klar mein bisher spannendstes Projekt. Anfangs hatte ich es nur im kleinen Kreis benutzt. Zwar erkannten mein Mitgründer Paul Sevinç und ich das Wachstumspotenzial, mussten aber nach der Firmengründung noch herausfinden, wie man den Dienst nachhaltig monetarisieren kann.»

 

«Schnell waren es 100'000 Doodle-Nutzer»

Das User-Wachstum war ein grosser Antrieb: «Schnell waren es 100'000 Leute, die Doodle nutzten. Bei jeder weiteren Null waren wir etwas überrascht und stolz. Die positiven Feedbacks, die wir erhielten, bestärkten uns sehr.» Die Firma Doodle umfasste gerade mal zwölf Leute, als die beiden Inhaber sich entschlossen, sie 2011 zu verkaufen. Vollends aus der Geschäftsleitung zogen sie sich 2013 zurück. «Wir verkauften die Firma in einem sehr guten Zustand an Tamedia. Das gab uns ein gutes Gefühl. Paul und ich wollten nie bei Doodle pensioniert werden.»

Heute nutzen monatlich über 25 Millionen Menschen den Online-Planer, zudem funktioniert er in über 22 Sprachen. Seit September und Betriebssystem iOS10 ist Doodle zudem in Apples iMessage integriert.

 

Der Business-Angel

Myke Näf hat sich diverse neue Tätigkeitsfelder geschaffen. So tritt er als Investor und Sparring Partner bei Start-up-Firmen im Internetbereich auf den Plan und fungiert somit als Business-Angel. Er schätzt es, seine Erfahrungen weitergeben zu können: «Ob als Investor, Verwaltungsratsmitglied oder Coach, ich unterstütze spannende, zukunftsträchtige Start-ups gerne. Generation um Generation kommt, da ist es wichtig, sich zu vernetzen.»

 

«Ich komme von hier, also leiste ich meinen Beitrag hier!»

Seinen Einsatz sieht er als Beitrag für die nächste Generation: «Es macht Spass, zudem spüre ich so, dass den Menschen die guten Ideen nie ausgehen.»
Seinen Fokus legt er auf die Schweiz: «Ich komme von hier, also möchte ich auch hier meinen Beitrag leisten.» Trotzdem ist Myke Näf viel unterwegs, denn «arbeiten kann ich von überall, ich brauche meinen Laptop und eine Internetverbindung, das genügt.» Aktuell ist er etwa bei Cavalry Ventures als Venture Partner engagiert, einem Fonds für Start-ups in Berlin, welcher Frühinvestments aufgleist. Dort ist Näf der «Brückenbauer zur Schweiz», wie er seine Tätigkeit nennt.

 

Swiss Life Lab unterstützt Innovationen

Ist er in der Schweiz, arbeitet er seit 2015 beim Swiss Life Lab, dem Innovationslabor der Swiss Life. Das Labor bezweckt unter anderem das Gründen, Halten und Verwalten von Start-up-Firmen im digitalen Bereich und bietet Dienstleistungen im Bereich Internet, Vorsorge und Immobilien an. «Ich habe bei Swiss Life viel über Versicherungen und Immobilien gelernt. Dazu hatte ich vorher keine Berührungspunkte, deshalb reizt mich die Aufgabe.»

Bei einigen Firmen, deren Produkte ihn selbst ansprechen, ist er involviert, so etwa bei Codecheck, einer App, mit der man Produkte auf Zutaten prüfen kann, oder bei Farmy, einem Online-Shop für regionale Bioprodukte.

Im Köcher hat Myke Näf, wieder zusammen mit Paul Sevinç, aber auch ein eigenes Projekt: Elohna, eine web-basierte Lohnbuchhaltungssoftware für die Schweiz. Elohna ist seit Juni auf dem Markt und dürfte gute Chancen haben.

 

Hirnfutter durch Ideen-Puzzle

Wie stellt sich Myke Näf seine Zukunft vor? «Ich bin zufrieden und schaue, was mir die Zukunft bringt. Ich werde weiterhin tüfteln, denn das mache ich sehr gerne. Es muss auch nichts auf Anhieb klappen, denn ich mag es, zu experimentieren.» Auf seiner Ideenliste sind einige Projekte: «Ich brauche Hirnfutter. Mit Ideen zu experimentieren ist für mich wie ein Puzzle – das bringt mir neue Inputs, ohne welche ich nicht leben möchte.»

Cavalry.vc

Text und Fotos: Malini Gloor

 

Dieser Artikel erschien bereits in der Werbewoche 20/2016 vom 2. Dezember 2016.

Di 04.04.2017 - 11:45
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