«Familie und Werbung verträgt sich bisher noch nicht so richtig gut»

Marietta Albinus, Senior-Konzepterin / Art-Direktorin bei Yellow, stellt sich unseren «13 Fragen».

1. Wie hat sich die Werbung verändert, seit Sie angefangen haben?

Früher waren mehr Mad Men, mehr Glamour, mehr Drama, mehr Nachtschichten und mehr Zeit vorhanden, um eine wirklich gute, einzigartige Idee/Kampagne zu entwickeln. Dafür heute etwas mehr Mad Women (mehr Gleichberechtigung), mehr Seriosität, weniger Nachtschichten, weniger Exzentrik und schier grenzenlose Möglichkeiten der Kommunikation im Zeitalter der fortschreitenden Digitalisierung.

 

2. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?

Ein Choleriker. Ein Gummibaum. Dafür gerne: ein Minipig.

 

3. Wofür möchten Sie am liebsten werben?

Gegen den Jugend- und Schlankheitswahn, für die Integration älterer Arbeitnehmer im Arbeitsmarkt, für Médecins Sans Frontières, Terre des Femmes, die Rechte der Tiere, ein Surrealismus-Museum, die Suchthilfe Schweiz, ein Brockenhaus und einen Tierpark.

 

4. Wie sieht Ihr privates TV-Konsum-Verhalten aus?

Am liebsten schaue ich jegliche Formen von Dokumentationen, Comedy-Shows, Talkrunden und und und … generell: viel zu viel und ich schlafe fast immer dabei ein.

 

5. Wären Sie nicht Werberin geworden – was dann?

  • Gehirnchirurgin
  • Tierärztin
  • Rockstar (leider talentfrei)
  • Rettungssanitäterin

 

6. Worauf können Sie unmöglich verzichten?

Schwarztee in rauen Mengen.

 

7. Was möchten Sie nie über sich hören müssen?

Dass ich verbittert und humorlos geworden sei …

 

8. Ein Buzz-Wort, das Ihnen auf die Nerven geht?

Buzz! Und viele weitere Trendwörter, die in (gutem altem) Deutsch einfacher verständlich oder überhaupt verständlich wären.

 

9. Was hat Sie inspiriert, in die Werbe-/Kommunikationsbranche einzusteigen?

Meine Schwester, damals Werbetexterin.

 

10. Welchen Werbeträger finden Sie abscheulich?

Pop-up-Banner.

 

11. Wieso entsprechen Sie nicht den gängigen Klischees eines Werbers?

Ich glaube, ich entspreche doch einigen Klischees einer Werberin, wie man sich das so vorstellt. Ausser, dass ich nicht narzisstisch veranlagt bin und keine Hornbrille trage.

 

12. Welche Person würden Sie gerne einmal in einer Ihrer Kampagnen sehen?

  • John Cleese
  • Alice Schwarzer
  • Mats Mikkelsen
  • Meryl Streep

 

13. Wieso gibt es in den Führungsetagen der Schweizer Werbebranche nicht mehr Frauen?

Aus meiner Sicht ist es in den Führungsetagen der Werbung nicht anders als sonst in der Schweizer Wirtschaft – Frauen sind stark untervertreten. Zum einen ist Werbung sehr kompetitiv, man braucht immer wieder Ellbogen, um sich durchzusetzen und sich Gehör zu verschaffen. Dann haben Männer untereinander ein viel grösseres Netzwerk und unterstützen sich gegenseitig. Durch die geringe Zahl an Frauen in Entscheidungspositionen hat bisher noch kein solches Netz entstehen können, glaube ich. Und: Frauen sind oft zu bescheiden und trauen sich solche Positionen schlichtweg nicht zu! Plus: Familie und Werbung verträgt sich bisher noch nicht so richtig gut, das wird sich aber hoffentlich immer mehr verändern.

 

Marietta Albinus ist seit September 2018 Senior-Konzepterin / Art-Direktorin bei Yellow in Basel. Vorhergehende Stationen: 3 Jahre freischaffend, davor bei TBWA Zürich, Havas, Advico Young & Rubicam und Wirz Werbung. Mitglied im ADC Deutschland und im ADC Schweiz.

Do 22.11.2018 - 15:55
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