«Ich habe den grössten Teil meiner Jugend auf Rennstrecken verbracht»

Bruce Roberts, Creative Director bei TBWA\Zürich, stellt sich unseren «13 Fragen».

1. Wie hat sich die Werbung verändert, seit Sie angefangen haben?

Sie sind lustig. Wenn ich das beantworte, verrate ich ja, wie alt ich bin! Im kreativen Prozess hat sich sehr vieles verändert. Am Anfang meiner Laufbahn dauerte allein die Produktion eines Layouts für die Kundenpräsentation mindestens eine Woche. Zuerst wurde ein Illustrator mit dem Visual beauftragt. Dann wurde die Copy an den Schriftsetzer geschickt, mit genauen Vorgaben zu Schrifttyp, Grösse, Durchschuss, Unterschneidung und Spaltenbreite. Hat man dabei einen Fehler gemacht, musste man das Resultat zerschneiden und von Hand neu setzen. Dann wurde die Copy fotografiert und die finale Illustration hinzugefügt. Und erst dann ging das Ganze zum Kunden. Heute kann man eine ganze Anzeige mit dem Computer machen, und zwar in derselben Zeit, die ich brauche, um diese Sätze zu schreiben. Überhaupt geht heute alles viel schneller. Durch diese Geschwindigkeit rücken die Idee und das Handwerk von Copywriting und Art Direction immer mehr in den Hintergrund. Das ist extrem schade.

 

2. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?

Egos. Agenturen funktionieren am besten, wenn alle im Team arbeiten.

 

3. Welche Printmedien haben Sie privat abonniert?

Lürzer’s Archiv.

 

4. Das beste Buch, das Sie in letzter Zeit gelesen haben?

«A Game of Thrones» von George RR Martin. Ich weigere mich, die HBO-Serie zu sehen, bevor ich die letzten zwei Bücher, «The winds of winter» und «A dream of Spring», gelesen habe – so sehr liebe ich diese Reihe. Come on, George, schreib endlich diese verdammten Bücher!

 

5. Wären Sie nicht Werber geworden – was dann?

Ich habe immer davon geträumt, Autos zu designen. Mein Vater hat als Mechaniker Rennautos gebaut. Also habe ich den grössten Teil meiner Jugend auf Rennstrecken verbracht und ihm zugesehen, wie er versucht hat, die Autos noch schneller zu machen. Nicht nur durch Mechanik, sondern auch durch Aerodynamik. Immer wenn ich Benzin rieche, erinnert mich das an diese tolle Zeit. Aber ich bin froh, dass ich in der Werbung gelandet bin. Ich liebe es dort.

 

6. Was hat Sie inspiriert, in die Werbe-/Kommunikationsbranche einzusteigen?

Mein Bruder arbeitete bei einer Agentur namens «Ogilvy Mather Rightford Searl-Tripp and Makin» in Cape Town. Sie haben den Spot «The Right Stuff» für den Volkswagen Golf MK2 produziert. Zu sehen, wie dieses Auto an seine Grenzen gebracht wird, hat mich einfach umgehauen. Mein Bruder war ständig an wahnsinnig tollen Shootings und konnte für grossartige Brands arbeiten. Das wollte ich auch. Und dass damals jede Agentur ein eigenes Pub mit Freibier hatte, fand ich auch ziemlich überzeugend.

 

 

7. Wie wissen Sie bei einer Idee, dass sie gut ist?

Wenn ich diese gewisse Spannung und Nervosität im Bauch spüre und sie mich sogar dann nicht loslässt, wenn ich mit meiner Frau rede. Wenn eine Idee mich davon abhält, ihr zuzuhören, muss sie einfach brillant sein! Ich hoffe, meine Frau wird das nie lesen.

 

8. Stimmt für Sie die kolportierte Meinung, dass man in Agenturen nicht alt werden kann, oder ist das ein Vorurteil?

Zumindest hoffe ich, dass das nicht zutrifft – schliesslich bin ich auf dem besten Weg dahin. Aber im Ernst: Ich glaube, es ist eine Frage der Einstellung. Das Schöne an der Werbung ist, dass wir alle von so vielen Menschen unterschiedlichen Alters umgeben sind. Wer es da nicht schafft, auf dem Laufenden zu bleiben, ist wirklich selber schuld. Wenn du die Werbung liebst, wird sie dich jung halten.

 

9. Welche Werbekampagne aus Ihrer Kindheit hat einen bleibenden Eindruck auf Sie hinterlassen?

Die Kampagne, die mir wirklich geblieben ist, war für Hamlet Cigars. Erst viele Jahre nach der Ausstrahlung fand ich heraus, dass mein damaliger Copywriter Ben der Sohn John Carsons war, dem Sprecher der Spots: «Happiness is a cigar called Hamlet. The Mild Cigar». Wirklich brillant.

 

10. Was wollen Sie unbedingt erreichen?

Zusammen mit meinem Team eine Kampagne machen, über die die Welt auch in 20 Jahren noch sprechen wird.

 

11. Welche Person würden Sie gerne einmal in einer Ihrer Kampagnen sehen?

Calvin & Hobbes.

 

12. Wofür würden Sie gratis arbeiten?

Alles, was das Leben der Menschen positiv verändert.

 

13. Die beste Schweizer Kampagne aller Zeiten?

Die Kampagne für Schweizer Milch mit der Kuh «Lovely».

 

Bruce Roberts wurde 1970 in Kapstadt, Südafrika, geboren. Er startete seine Karriere bei BerryBush/BBDO. Nach sieben Jahren wechselte er zu Bester Burke und später zu The Jupiter Drawing Room. 2002 zog er mit seiner Familie in die Schweiz, das Heimatland seiner Frau. Nach einer dreijährigen Station in Genf ging er nach Zürich zu Matter & Partner und von dort weiter zu Jung von Matt und Publicis. In dieser Zeit hatte er das Glück, mit einigen der besten Werber der Schweiz zusammenzuarbeiten. Die Resultate fanden Anerkennung in grossen internationalen und nationalen Awardshows. 2014 wechselte Robert als Creative Director zu TBWA\Zürich. In seiner Laufbahn arbeitete er für Kunden wie McDonald’s, SBB, Mercedes-Benz, UBS, Sunrise, Zurich Versicherung, Renault, Nestlé und Volvo.

 

Die «13 Fragen» erscheinen sowohl Online wie auch in der Printausgabe der Werbewoche. Umsetzung: Thomas Häusermann.

Mo 27.11.2017 - 10:47
Tags

Kommentare

neuen Kommentar schreiben

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.