«Eine der digitalsten Brands überhaupt schaltet fast nur Print und Out of Home. Interessant, oder?»

Dennis Lück, Chief Creative Officer von Jung von Matt, stellt sich unseren «13 Fragen».

1. Was kommt Ihnen auf keinen Fall ins Büro?
Schlechte Laune. Die hat Hausverbot. Bessere Laune macht bessere Ideen – davon bin ich überzeugt.

 

2. Wieso entsprechen Sie nicht den gängigen Klischees eines Werbers?
Weil ich kein Werber sein will. Ich will ein Filmemacher sein. Ich will ein Street-Art-Künstler sein. Ich will ein Musiker sein. Ich will ein Aktivist sein. Je nach Briefing habe ich einen anderen Berufswunsch. Das ist doch das Tolle an unserem Job.

 

3. Welche Printmedien haben Sie privat abonniert?
Oh, jetzt wird es peinlich. Ich habe abonniert: Rock Hard, Metal Hammer, Guitar und Gitarre & Bass.

 

 

4. Wer war der amüsanteste Lunchpartner?
Das ist leicht. Die amüsantesten Lunchpartner heissen Ludwig, Lisbeth und Louise. Die schmeissen sich beim Lunch gegenseitig Autos und Puppen in die Teller, lachen sich bei Rülpsern kaputt und wollen, genau wie ich, nach jedem Essen ein herrliches Glace.

 

5. Stimmt für Sie die kolportierte Meinung, dass man in Agenturen nicht alt werden kann, oder ist das ein Vorurteil?
Es ist leider kein Vorurteil. Ich denke, hier muss man auch klug unterscheiden. Stellen wir mal einen Vergleich mit dem Fussball her: Spitzentrainer von weltweit führenden Clubs sind gut und gerne über 60. Auf dem Platz stehen und dem Ball hinterherjagen, dass würden sie auch nicht mehr schaffen. Bei uns ist es ähnlich: Es gibt Jobs, die sollten bis ins hohe Alter super möglich sein: Texter, PR-Profi, Berater, Grafikleitung und, und, und. Dann ergibt sich auch ein gutes Zusammenspiel zwischen Jung und Alt. Und auf manchen Positionen, da müssen halt die Jungen ran. Eine Snapchat-Guerilla-Aktion – die würde ich auch eher dem Youngster geben. Jung und Alt müssen wissen, wo sie ihre Rolle perfekt spielen können. Dann funktioniert auch Altwerden in der Werbung.

 

6. Was ist für Sie die momentan grösste Herausforderung für die Werbung?
Die grösste Herausforderung ist, aus der digitalen Hysterie wieder Normalität zu machen. Die Lage ist momentan so: Alle schreien beispielsweise «mobile first» durch die Gegend. Ich denke, man sollte sagen «consumer behaviour first». Das Nutzerverhalten bestimmt, in welchem Kanal ich sein muss. Es gibt eine Marke, die das sehr clever macht: Apple. Eine der digitalsten Brands überhaupt schaltet fast nur Print und Out of Home. Interessant, oder?

 

7. Worauf können Sie unmöglich verzichten?
Auf den Ausgleich. Das Ideen-Geschäft ist eines der härtesten Felder, auf denen man arbeiten kann. Ich finde es wichtig, dass das Gehirn genug Freiraum erhält. Ein Muskel, der sich gut erholt, funktioniert besser. Das trifft auch auf das Gehirn zu, auch wenn es ein Organ und kein Muskel ist.

 

8. Was halten Sie von Owned Media?
Kostet leider auch Geld. Denn auch dort zählt der relevante Inhalt, und um den zu produzieren, muss man ein paar Taler in die Hand nehmen.

 

9. Was möchten Sie nie über sich hören müssen?
«Oh, der Lück ist jetzt seriös geworden.»

 

10. Schon mal überlegt, die Werbebranche zu verlassen?
Niemals. Ich habe meinen Traumjob gefunden. Ich werde auch mit 60 Jahren noch ultrakrasse Guerilla-Aktionen für Tomatensuppen und Bremskraftverstärker entwickeln. Versprochen.

 

11. Welche Rolle spielen Awards in der Werbebranche?
Ohne Awards wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Ein paar Würfel hier, ein paar Löwen da, und zack, geht es aufwärts. So funktioniert unsere Branche nun mal. Und ehrlich gesagt finde ich das richtig und gut. Ich will noch viele, viele Awards mit meiner Crew gewinnen und mich international mit den Besten der Welt messen. Das bringt Freude.

 

12. Was unterscheidet die Werbe- und Kommunikationsbranche von anderen Branchen?
In unserer Branche darf man was mit Einhörnern und Explosionen vorschlagen, ohne dass man für verrückt erklärt wird.

 

13. Wie wissen Sie bei einer Idee, dass sie gut ist?
Ich habe da ein hervorragendes Tool: meinen Bauch. Wenn es richtig gut ist, fängt er an zu wackeln. Dann weiss ich, das muss ich jetzt einfach machen.

 

14. Können Sie uns ein kleines Geheimnis verraten?
Mein Geheimnis heisst Wagemut. Ich finde, man muss das Neue wagen wollen. Hier mal ein Beispiel, das mein kleines Geheimnis verdeutlicht. Stellen Sie sich vor, ich würde einfach nett fragen, ob ich der Erste sein darf, der hier in dieser Rubrik 14 Fragen beantwortet. Darf ich das? Sehen Sie, es geht doch. Man muss es nur wagen und den richtigen Verbündeten finden.

 

Dennis Lück ist gemäss Tages-Anzeiger «Der kreativste Werber der Schweiz». Seit Juli 2016 ist er als Chief Creative Officer für den kreativen Output von Jung von Matt verantwortlich. Lück ist verheiratet, hat drei Kinder (Ludwig, Lisbeth und Louise ) und spielt Schlagzeug in einer Punk-Band. 2016 war Lück als Werbewoche-Werber des Jahres nominiert.

 

Die «13 Fragen» erscheinen sowohl Online wie auch in der Printausgabe der Werbewoche. Umsetzung: Thomas Häusermann

Mi 11.01.2017 - 14:34

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