Die Konti von Publicitas sind seit Mitte Februar verpfändet

Publicitas hat ihre Konti bereits Mitte Februar verpfändet, wie Recherchen der Schweiz am Wochenende zeigen. Die Verleger müssen nun entscheiden, ob sie auf das am Donnerstag unterbreitete Angebot – eine Unternehmensbeteiligung – eingehen.

Seit einigen Wochen arbeitete Publicitas an einem Sanierungskonzept. Inhaber Carsten Brinkmeier und CEO Jörg Nürnberg zeigten sich entsprechend überrascht, als die Verleger vor zwei Wochen begannen, öffentlichwirksam die Zusammenarbeit und damit das Vertrauen aufzukünden. Aus Sicht von Publicitas wurde dadurch die bisherige Arbeit gefährdet – zu Lasten der gesamten Schweizer Medienlandschaft.

Wie die Schweiz am Wochenende nun aufzeigt, sollte die Restrukturierung mit Hilfe der Zuger Firma Vicenda Asset Management gelingen. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, an KMU Kredite zu vergeben, die bei Banken keine Chance mehr auf Geld haben.

 

«Wir verbinden Darlehensnehmer und Investoren»: Das Zuger Unternehmen Vicenda hat Publicitas Mitte Februar 15 Millionen Franken verschafft und dafür verschiedene Sicherheitsleistungen erhalten. (Bild: Screenshot Vicendagroup.com)

 

Demnach hat Publictias am 16. Februar 15 Millionen Franken erhalten, um die «Refinanzierung von bestehenden Schulden sowie die Finanzierung der geplanten Restrukturierung» stemmen zu können. Im Gegenzug erhielt Vicenda umfangreiche Sicherheitsleistungen – darunter die Verpfändung der Bankkonten von Publicitas und «Handelsforderungen in Höhe von 150 Prozent des Nominalwertes».

Die Millionen stellte das luxemburgische Unternehmen Thalos Investment Platform, welches Vicenda mitgegründet hat, zur Verfügung. Thalos ist auf die Schuldverschreibung spezialisiert. Diese «Private-Debt-Anlagen» sollen institutionellen Investoren eine Bruttorendite bis zu fünf Prozent ermöglichen.

Dass den Verlagen der Geduldsfaden gerissen ist, hat den ursprünglich angedachten Sanierungsplan durcheinandergebracht und die Finanzierungsdetails – unüblich für dieses Geschäftsfeld – offengelegt.

Nach der vom Bezirksgericht verhängten provisorischen Nachlassstundung muss nun eine Mehrheit der Verlage bis zum 10. Mai einem neuen Sanierungskonzept zustimmen. Geschieht das nicht, lässt sich der Konkurs des traditionsreichen Werbevermittlers womöglich nicht mehr abwenden.

 

Verlage sollen an Publictias beteiligt werden

Am Donnerstag traf sich die Publicitas-Spitze mit den Verlegern und präsentierte ihnen ein letztes Angebot. So sollen die Verlage nicht nur zur Hälfte am Unternehmen beteiligt werden, sondern künftig auch vollständige Transparenz erfahren. Die Schweiz am Wochenende schätzt die Chancen auf ein Einvernehmen jedoch als «gering» ein. Grund: Nicht alle Verlage werden gleichbehandelt – Tamedia etwa geniesst Sonderrechte. Während die Gelder für Anzeigen in Titeln aller anderen Verlage zu Thalos Investment fliessen, werden Beträge, welche für Tamedia-Titel geleistet werden, direkt dem Zürcher Medienkonzern gutgeschrieben. «Publicitas hat zugunsten zweier Parteien Forderungen abgetreten, nämlich zugunsten von Thalos Investment Platform S.A. einerseits und Tamedia andererseits», schreibt Publictias in einer Mitteilung vom Freitag.

Neue Aufträge nimmt Publicitas demnach erst ab dem 15. Mai wieder entgegen – sollte die Abstimmung der Verlage positiv ausgegangen sein. Die fünf Tage zwischen Feedback der Verlage und Weiterführung der Geschäfte benötigt das Unternehmen zur «Auswertung des Rücklaufs».

In der selben Mitteilung verkündet Publicitas auch die Aufschaltung einer Hotline aufgrund «der zahlreichen Rückfragen» der Kunden. Diese wird am Montag in Betrieb genommen und soll jeweils zu Bürozeiten offene Fragen klären. (hae)

So 06.05.2018 - 10:52
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