Salt steigt ins Festnetzgeschäft ein und fordert die Konkurrenz mit Kampfpreis heraus

Der Telekom-Anbieter Salt stellte in Bern die neue, 10Gbit/s schnelle Fiber Box vor. Im TV-Geschäft setzt man auf Apple TV und bietet das Gesamtpaket zum Kampfpreis an.

Als wahre «Revolution» auf dem Schweizer Telekommarkt kündigte Salt den Event vom Dienstag im Berner Depot-B an. Im rappelvollen Saal befanden sich offensichtlich auch viele Salt-Mitarbeitende oder Vertreter anderer Partner – die präsentierten Neuerungen und die Speaker wurden frenetisch bejubelt.

Die ganz grosse Revolution blieb aus. Aber leer waren die Versprechungen seitens Salt dennoch nicht. Dem in der Vergangenheit immer wieder in die Defensive gedrängten und nicht selten schon totgesagten (oder zumindest von der Konkurrenz übernommenen) Telekom-Anbieter könnte mit den vorgestellten Produktneuheiten ein langersehnter Befreiungsschlag gelingen. Denn zusammengefasst ist a) die Technik gut und diese b) fast schon konkurrenzlos günstig. Salt tritt in einen neuen Markt ein und präsentiert dabei ein konkurrenzfähiges Angebot, welches auch für bisher Salt-kritische Konsumenten zur Option werden dürfte. Nicht zuletzt dank Partnern wie Apple oder Zattoo.

 

Europäische Geschwindigkeitspremiere

So bietet Salt beim Eintritt in den Festnetzmarkt als erster europäischer Anbieter einen Router an, der 10Gbit/s erreicht. Symmetrisch, also für Up- wie auch Download. Damit ist man auf dem Papier zehnmal schneller als die aktuell schnellste Konkurrenz und 400 mal schneller als der durchschnittliche Anschluss in einem Schweizer Haushalt. Wozu man diese fast schon utopische Geschwindigkeit braucht oder besser gesagt brauchen könnte, bleibt vorläufig aber offen. Das sieht Ralf Beyeler vom Vergleichsportal Moneyland.ch ähnlich: «In den seltensten Fällen ist der Server auf der Gegenseite schnell genug. Die bis anhin schnellsten Angebote von 1 Gbit/s reichen selbst für Kunden völlig aus, die ein sehr schnelles Internet wünschen».

 

Design-Router

Erdacht, entworfen und gestaltet hat das Gerät der Schweizer Designer Alfredo Häberli. Yannik Oberson, National Director Direct Channel von Salt, erklärte dem Publikum, wieso man so viel Wert auf das Äussere legte und blendete dabei auf dem Screen verschiedene Router – auch die der direkten Konkurrenz – ein: «Nicht wirklich sexy... so ein Ding stellt sich niemand irgendwo hin, wo man es sehen kann!» Und Salt-CEO Andreas Schönenberger sagt: «Wir sind der Überzeugung, dass ein gelungenes Design wesentlich zum Breitbanderlebnis beiträgt.»

 

Schönheit liegt im Auge des Betrachters: Laut Salt ist die Konkurrenz nicht nur technisch unterlegen, sondern auch optisch kein Hingucker.

 

Hat den Salt-Router entworfen: der Zürcher Designer Alfredo Häberli.

 

Wie sexy der Salt-Router am Ende geworden ist, muss am Ende die Kundschaft entscheiden – sofern dieser Punkt wirklich derart relevant sein sollte. Ein Blickfang ist das Gerät aber definitiv.

 

Apple TV ersetzt Set Top Box

Statt eine eigene TV-Box zu entwickeln, arbeitet Salt mit Apple zusammen und greift für das Fernsehangebot per App auf Apple TV zurück. Eine gute Idee – denkt man etwa an die teilweise in die Jahre gekommene Hardware der Konkurrenz, die von Beginn weg immer wieder für Kundenunzufriedenheit sorgte. Apple TV ist punkto UX führend und bietet Hard- und Software, die eine flüssige, schnelle und intuitive Bedienung ermöglichen. Also genau das, was sich die meisten Kunden wünschen. Und was sie bei den aktuellen Set Top Boxen vermissen. Ausserdem wird mit dieser Lösung keine separate TV-Box benötigt. Apple TV steht ohnehin bereits in vielen Schweizer Haushalten unter dem Fernsehgerät und kann so für sämtliche Fernsehanwendungen eingesetzt werden.

Salt ist der weltweit erste Anbieter, der Apple TV als Set Top Box anbietet. Kunden von Swisscom oder UPC etwa warten weiterhin vergeblich auf eine eigene Apple-TV-App, welche die jeweilige, technisch unterlegene Box (endlich) überflüssig machen würde. Der Grund dafür dürfte auf der Hand liegen: Durch eine Integration in Apple TV würden die Anbieter die Hoheit über das heimische Sofa aus der Hand geben – inklusive den damit verbundenen, lukrativen Video-on-demand-Funktionen. Apps für andere iOS-fähige Endgeräte (iPad, iPhone) bieten hingegen alle Anbieter seit längerem an. Mit Apples Betriebssystem wäre man also längst bestens vertraut.

Natürlich stellt sich dann aber auch die Frage, wieso man auf Salt TV zurückgreifen sollte, wenn man bereits Apple TV besitzt und darauf die Apps von Zattoo, Teleboy & Co. installieren kann. Auch deren Angebote kann man mit allen anderen Devices nutzen. Und sie sind in den Basis-Versionen sogar kostenlos.

Salt arbeitet deshalb mit Zattoo zusammen und greift auf die Technologie-Erfahrung des TV-Streaming-Pioniers zurück. Das Videoangebot von Salt wurde zudem mit technischer Unterstützung von Hollystar und in Zusammenarbeit mit Sky entwickelt. Kombiniert mit Kooperationen mit Sky und Canal+ dürfte für die Kundschaft ein attraktives Gesamtpaket entstehen.

 

Kampfpreis

Vor allem wegen des Preises: Für 49.95 Franken pro Monat erhält der Kunde 10Gbit/s-Internet, 300 TV-Sender und Flatrate-Festnetztelefonie. Ein Kampfpreis. Bestehende Salt-Mobile-Kunden mit Flatrate-Abo bezahlen sogar nur 39 Franken. Preislich sieht die Konkurrenz dagegen alt aus. Denn gleichzeitig bietet Salt aktuell für Mobile-Neukunden die «Smart Swiss»-Promotion an, bei der die Telefon- und 4G-Flatrate während 24 Monaten monatlich nur 24.95 Franken (statt 59.-) kostet. Für knapp 65 Franken erhält man bei Salt also alles – unbegrenzt und in Maximalgeschwindkeit. Vorausgesetzt, man kann mit der nach wie vor löchrigsten Mobilfunkabdeckung der Schweiz leben.

Und vorausgesetzt, man ist ans Glasfasernetz angeschlossen. Und das sind erst 13 Prozent der Schweizer Bevölkerung. In den grösseren Ballungsgebieten. Das neue Vollsortimentsangebot von Salt wird von Beginn an in mehr als 30 Städten und Regionen verfügbar sein. Dafür, dass ein Glasfaser-Anschluss benötigt wird, um von den angepriesenen Vorteilen zu profitieren, wurde diese Zahl am Dienstag erstaunlich lange und prominent präsentiert. Der Grund, wieso viele Schweizer Haushalte so langsam unterwegs sind, ist nicht der fehlende Wille, sondern die fehlende Infrastruktur. Und daran ändert auch das Angebot von Salt nichts.

 

Mit 21 Mbit/s surft der durchschnittliche Schweizer Haushalt im Schneckentempo. Daran wird wohl aber auch das Salt-Angebot nicht viel ändern, da vielerorts der Glasfaser-Ausbau fehlt.

 

Richtig revolutionär wurde es am Ende der Präsentation aber doch noch – nämlich als die Goodie Bags für die Besucher verteilt wurden. Darin befand sich nichts geringeres als ein Apple TV der neusten, fünften 4K-Generation. (hae)

Di 20.03.2018 - 15:02
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