Die Basler Zeitung soll vor dem Verkauf an Tamedia stehen

Laut Schweiz am Wochenende hat Tamedia mit Christoph Blocher über einen Kauf der Basler Zeitung verhandelt. Als Tausch soll das Zürcher Medienhaus das Tagblatt der Stadt Zürich angeboten haben.

Unter «grösster Geheimhaltung» sollen die Verhandlungen über die Bühne gegangen sein. Auf der einen Seite Christoph Blocher und Rolf Bollmann, auf der anderen Pietro Supino und Christoph Tonini.

Die Schweiz am Wochenende stützt sich dabei auf «mehrere voneinander unabhängige und gut unterrichtete Quellen». Laut einer dieser Quellen soll man sich sogar Mitte Februar einig geworden sein. Der Deal: Blocher & Co. verkaufen Tamedia die Basler Zeitung und erhalten im Gegenzug den Gratis-Anzeiger Tagblatt der Stadt Zürich, sowie eine finanzielle Entschädigung, «wohl in Millionenhöhe», vermutet die Zeitung.

Konkret bestätigt ist die Recherche der Schweiz am Wochenende seitens der betroffenen Parteien indes nicht. BaZ-VR Bollmann sagt, es sei allgemein bekannt, dass sich verschiedene Verlage für die Basler Zeitung interessierten. Gespräche diesbezüglich seien bisher aber ergebnislos verlaufen. Tamedia-Kommunikationschef Christoph Zimmer sagt, es sei kein Geheimnis, dass man eine Übernahme der BaZ prüfe, sollte sie zum Verkauf stehen – Gerüchte kommentieren wolle man hingegen nicht.

 

Ziele in Basel nicht erreicht

Blocher habe in Basel seine Ziele nicht erreicht, erklärt die Schweiz am Wochenende die Verkaufsabsichten. Chefredaktor Markus Somm habe mit seinem «rechten Kampfblatt» seit Jahren auf eine «bürgerliche Wende» hingeschrieben – dennoch sei die Stadt Basel nach wie vor fest in rot-grüner Hand. Ausserdem hat sich die Auflage seit 2010 fast halbiert. Wirtschaftlich steht es um die BaZ aber nicht schlecht: Chefredaktor Markus Somm betont immer wieder, die Basler Zeitung sei eine der wenigen rentablen Zeitungen der Schweiz.

 

Blocher könnte bald fast eine Million Haushalte erreichen

Sollte zu Blochers Gratiszeitungen, die er der Zehner-Gruppe abkaufte und die 720'000 Haushalte erreichen, auch noch das Tagblatt der Stadt Zürich hinzukommen, würde er auf einen Schlag Zugang zu weiteren 127'000 Haushalten erhalten. Insgesamt gibt es in der Schweiz ungefähr 3,7 Millionen Haushalte. Dann würde auch der von Rolf Bollmann im Schweizer Journalist in Aussicht gestellte Mantel für alle erworbenen Gratiszeitungen noch mehr Sinn machen.

Tamedia bekundete schon in der Vergangenheit Interesse an der Basler Zeitung. 2010 ging man aber wie die ebenfalls interessierte NZZ leer aus, weil die Verlegerfamilie Hagemann an das Investoren-Duo Tettamanti/Wagner verkaufte. Mit einer Übernahme der BaZ würde Tamedia publizistisch noch mächtiger, da das Medienhaus dann nebst Bern und Zürich auch noch in der dritten grossen Deutschschweizer Agglomeration die wichtigste Zeitung besässe. Die BaZ würde dann in den überregionalen Mantel eingegliedert und ihre redaktionelle Unabhängigkeit verlieren. Die Schweiz am Sonntag vermutet dennoch: Am Ende würde man mit einer neuen politischen Ausrichtung in der linken Stadt wohl mehr Anklang finden. (hae)

Sa 10.03.2018 - 16:02

Kommentare

#1

Ich möchte den Linken für den Ausbau und deren Konsolidierung der Medienmacht gratulieren. Der urbane Eroberungsfeldzug geht nach der siegreichen No-Billagschlacht in die nächste Stufe. Wenigstens weiss man nun schon im Voraus, dass es morgens nur noch Cedric Wermuth's Weltsicht zum Frühstück gibt. Vielleicht sollte ich ab nun aufs Frühstück verzichten...

neuen Kommentar schreiben

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.