Das Radio geht in der No-Billag-Diskussion oft vergessen, findet Chefredaktorin Borner

In der No-Billag-Diskussion gehe es meist ums Fernsehen, statt auch ums Radio, bemängelt Radio-Chefredaktorin Lis Borner im Interview mit der SonntagsZeitung.

Radio-Chefredaktorin Lis Borner nimmt im Interview mit der SonntagsZeitung auch die Sender in Schutz, deren Existenzberechtigung in Spardebatten oft in Frage gestellt wird – etwa SRF Virus oder SRF 4 (Foto: SRF/Severin Nowacki; Montage Wewo).

Da sich die Kritik der No-Billag-Befürworter mehrheitlich gegen das teure Fernsehen richtet, wird in der Diskussion viel seltener über das verhältnismässig günstige Radio SRF gesprochen – obwohl dessen Zukunft (und diejenige vieler Privatsender) genau so auf dem Spiel steht. «Fragen wie «Warum sagt niemand, dass es auch ums Radio geht?», beschäftige sie und ihre Mitarbeitenden sehr, sagt Borner. Man habe daher versucht, sich in die Debatte einzubringen, so die Radio-Chefredaktorin – «aber jemand muss das Thema halt auch aufnehmen». Radio sei nicht auf dem Radar der Medienjournalisten, biete weniger Angriffsfläche als das Fernsehen, sei eher ein Alltagsbegleiter und für viele Leute «so selbstverständlich wie Wasser aus dem Wasserhahn».

Borner glaubt, dass viele Menschen die SRG-Angebote nutzten, ohne sich dessen bewusst zu sein – übers Smartphone, via App oder auf Youtube. Ausserdem sei sie überzeugt, dass eine Gesellschaft gut funktioniere, wenn man auch etwas mitfinanziere, das vor allem anderen zugutekomme – «Schulen, Krankenkassen oder was auch immer.»

 

Kein Gehör für Schawinskis Sparpläne

Angesprochen auf die von Roger Schawinski vorgeschlagenen Sparpläne, die vor allem auf die Radio-Sender zielen, nimmt Borner ihre Sender in Schutz. Radio SRF 2 sei keine «geschützte Werkstatt», sondern «hoch seriöser Journalismus für 320'000 Hörer und Hörerinnen», die ebenfalls Gebühren zahlten – kein Privater biete etwas Ähnliches.

Die von Schawinski vorgeschlagene Zusammenlegung von Radio SRF 1 und SRF 3 schliesst Borner aus, da sich die beiden Sender punkto Publikum, Profil, Musik und Rhythmus total unterscheiden würden. «Ein Programm, das für 30- bis 70-Jährige funktionieren soll, gibt es nicht», ist sie überzeugt.

Auch vom Vorschlag, Radio SRF 4 einzustellen, hält die Chefredaktorin nichts – der Sender sei mit den News und Hintergründen aus Politik und Wirtschaft doch «Service public in Reinkultur» und werde täglich von 240'000 Menschen eingeschaltet.

Und mit dem Jugendradio SRF Virus käme man dem Auftrag nach, auch Angebote für die Jüngeren bereitzustellen. Der Sender, der lediglich 113'000 Hörer erreicht, biete zudem zusammen mit SRF 3 so vielen Schweizer Bands eine öffentliche Plattform wie sonst kein anderer Sender.

 

«Total viel gelernt»

Dennoch: Borner ist sich bewusst, dass nach einem Nein am 4. März die Spardebatte beginnt: «Dabei werden wir für alles offen sein müssen». Die Frage, was der gebührenfinanzierte Service public alles bieten müsse, sei aber von der Politik auszuhandeln.

Und Borner räumt auch Fehler ein: Man habe den Dialog mit den Hörern zu spät und zu wenig intensiv gesucht. «Wir haben zu wenig genau hingehört, gerade bei den Jüngeren.» Man habe durch die Diskussionen in den letzten Monaten «total viel gelernt, oft auch auf die harte Tour». Der Veränderungsprozess habe jedoch schon vorher begonnen. «Die Diskussion um den Service public, über die Aufgaben der Medien, hat das Bewusstsein für die Bedürfnisse der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und unseren Auftrag in der basisdemokratischen Schweiz deutlich geschärft.» (hae)

So 11.02.2018 - 14:13

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