Supino bricht Lanze für Medienkompetenz und geisselt Eitelkeiten

Verlegerpräsident Pietro Supino fordert mehr Medienkompetenz der Medienkonsumenten - damit sie Qualität erkennen und freie Entscheidungen treffen. Die medienpolitische Diskussion kritisiert er als teilweise «nicht ehrlich» und von Eitelkeiten bestimmt.

Pietro Supino an der Dreikönigstagung 2018 (Foto: Nora Dämpfle, Werbewoche).

2017 werde «kein gemütliches Medienjahr», hatte Pietro Supino an der traditionellen Dreikönigstagung des Verbands Schweizer Medien vor einem Jahr angekündigt. Er sollte Recht bekommen: Kaum ein Monat verging ohne Ankündigung von Fusionen, Konzentrationen oder Stellenabbau.

Oder, wie es Medieninstituts-Leiter Othmar Fischlin in seiner Begrüssung sagte: Kaum ein Buchstabe des Alphabets war nicht betroffen – von den AZ Medien, die mit den NZZ-Regionalmedien ein Joint Venture gründen, über L'Hebdo, das eingestellt wurde, bis zur SRG, die sich mit der No-Billag-Initiative konfrontiert sieht.

An der diesjährigen Tagung am Dienstag in Zürich nun brach Supino eine Lanze für die Medienkompetenz der Medienkonsumenten. Denn als Medienmacher, so seine Botschaft, dürfe man sein Publikum nicht unterschätzen. Im Gegenteil: Die Medienkompetenz der Menschen müsse «die absolute medienpolitische Priorität» sein.

 

Schulen und Journalisten

In einer freien und aufgeklärten Gesellschaft sollten die Menschen das Medienangebot bestimmen - durch ihre bewussten Wahlen und ihre Nachfrage in Form ihrer Mediennutzung. Das sei «besser, als wenn übergeordnete Instanzen über das richtige Medienangebot entscheiden», sagte Supino, ohne Akteure zu benennen.

Dies setze aber voraus, dass Menschen Grundkenntnisse darüber haben, wie Medien funktionieren. Nur so könnten sie Qualität erkennen und bewusste und freie Entscheidungen treffen.

Unter Medienkompetenz versteht Tamedia-Verwaltungsratspräsident Supino nicht etwa den Umgang Jugendlicher mit neuen Medien, sondern ein Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen politischem System und Mediensystem. Dieses Interesse zu wecken, sei die Aufgabe der Medien selbst und der Schulen.

Zudem müssten die Leserinnen und Leser verstehen, welche unterschiedlichen Quellen und Medienangebote es gibt, wie sie entstehen und nach welchen Qualitätskriterien sie beurteilt werden können. Auch hier sieht Supino unter anderem die Schulen in der Pflicht - seiner Vorstellung nach könnten Kinder von Unterricht mit Journalistinnen und Journalisten profitieren.

 

Pfründe und Eitelkeiten

Kritik übte der Verlegerpräsident an der Medienpolitik. Im Diskurs würden fast nur höhere Interessen wie das Funktionieren der Demokratie und der Zusammenhalt des Landes als Hauptmotivationen der Akteure angeführt, sagte er. Das scheine ihm «nicht normal und auch nicht ehrlich».

Denn in der Medienpolitik und im Mediengeschäft gehe es massgeblich auch um Einfluss und Deutungshoheit - «oder mit anderen Worten um politische Macht, um Positionen und Pfründe, um finanzielle Interessen und um Eitelkeiten». Für Supino wäre es «ein Gewinn, wenn der Diskurs transparenter und mit mehr inhaltlicher» geführt würde – und dazu wiederum braucht es Beobachter und Medienkonsumenten mit Medienkompetenz. (SDA)

Di 09.01.2018 - 14:13

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