Baz-Auflage im freien Fall

Die Basler Zeitung hat in einem Jahr 12 Prozent ihrer Auflage verloren, bleibt aber unter den Abozeitungen die Nummer eins in der Nordwestschweiz. Zur neuen Nummer Zwei hat sich jedoch die neue Tageswoche aufgeschwungen.

Die beglaubigten Auflagenzahlen der AG für Werbemedienforschung Wemf bringen es an den Tag: Die Auflage der «Basler Zeitung» ist innert Jahresfrist erneut um über 9‘000 Exemplare zurückgegangen, von 77‘619 auf neu 68‘279 Exemplare (-12 Prozent). Das ist dramatisch, denn noch nie in den letzten zehn Jahren hat die einst stolze Zeitung, die 2002 noch 103‘649 Exemplare zählte, so viel auf einmal verloren. Wichtig dabei: Anders als bei den Leserzahlen der Mach Basic 2012-2 sind die Wemf-Auflagen nicht mit der neuen BaZ-Sonntagsausgabe vermischt (Werbewoche.ch berichtete). Dies sagte Roger Berger, Sprecher der Basler Zeitung Medien, auf Anfrage. Die Entwicklung bei der BaZ spiegelt sich somit ungeschminkt in den Auflagenzahlen wieder. Mit einem Vorbehalt: Bergers Aussage konnte gestern von der Wemf noch nicht bestätigt werden.

In drei Jahren fast 20000 Exemplare verloren

Apropos Auflagen-Entwicklung: Diese sieht noch trüber aus, wenn man letzten drei Jahre überblickt: Allein in dieser Zeitspanne reduzierte sich die BaZ-Auflage um rund 20 000 Exemplare. Mit anderen Worten:  Seit die Familie Hagemann die Zeitung an Tito Tettamanti, Martin Wagner und Christoph Blocher verkauft hat, büsste das Blatt gut ein Fünftel seiner Auflage ein.

Aufgrund der Wemf-Zahlen wird deutlich, dass die Bat vor allem im Abo-Bereich verloren hat: Knapp 8‘000 zahlende Abonnenten sprangen allein im letzten Jahr ab, seit dem Antritt von Blocher & Co. waren es somit total 18‘000 Abokündigungen. Weitere Rückgänge gab es bei den Gratisabos und beim Kioskverkauf: Bei den Gratisabos (primär für ehemalige Mitarbeiter) nahm Wagner seinerzeit Streichungen vor. Heute liegt diese Zahl noch bei 1‘000 Exemplaren, zwei Drittel weniger als 2009, vor dem Baz-Verkauf. Die Nachfrage am Kiosk liess ebenfalls nach: Heute setzt die BaZ dort 2‘400 Exemplare ab, 2009 waren es noch 1316 Exemplare mehr. Gestiegen ist bloss die Zahl der Probeabos: Von damals 549 auf heute 1‘895 Exemplare.

And the winner is: TagesWoche!

Natürlich stellt sich die Frage, wohin all diese abtrünnigen Baz-Leser abwanderten. Dies lässt sich ziemlich eindeutig sagen: Zur neuen TagesWoche.  Das Wochenblatt mit täglicher Onlineausgabe, das im letzten Herbst dank einer Anschubfinanzierung der Roche-Erbin Beatrice Oeri gestartet war, zählt nämlich 18‘605 zahlende Abonnenten, also etwa gleich viel wie die BaZ seit den Wirren um Blocher & Co. verloren hat. Mit andern Worten: Die rund 18‘000 Personen, die sich vor zwei Jahren auf der Plattform «Rettet Basel» eingetragen hatten, haben ihren Worten Taten folgen lassen: Sie haben nicht nur der BaZ den Rücken gekehrt, sondern auch das neue Blatt abonniert. Bemerkenswert ist zudem, dass die TagesWoche zusätzlich 3‘020 Exemplare am Kiosk absetzt. Zusammen mit einem kleinen Promo-Anteil von 955 Exemplaren kommt sie somit auf eine Verkaufte Auflage von 22‘580 Exemplaren.

BZ: Hohe Investitionen, durchzogener Erfolg

Weniger erfolgreich ist dagegen Peter Wanners AZ Medien: Zwar weisen die Basellandschaftliche Zeitung (BZ) und der vor knapp einem Jahr lancierte Split bz Basel zusammen neu eine verkaufte Auflage von 22463 Exemplaren auf, 13,3  Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Doch diese Zahl dürfte Wanner kaum richtig freuen: Zum einen, weil sie um 120 Exemplare tiefer liegt als jene des Newcomers TagesWoche, zum zweiten, weil der Zuwachs primär den 2‘714 Promotionsexemplaren zu verdanken ist, mit denen die bz Basel in der Stadt Basel gepuscht wurde und wird. Bei den bezahlten Abos konnte die BZ dagegen nur um 3,5 Prozent oder 600 Exemplare auf 17‘831 Abos zulegen. Eine leicht gesteigerte Nachfrage ist auch am Kiosk sichtbar: Im letzten Jahr setzte die BZ dort täglich 30 Exemplare mehr ab als im Jahr zuvor (total  343 Kioskexemplare). Immerhin: Nach Jahren der leichten Verluste wird bei den bz-Abos und am Kiosk nun dank einiger Investitionen in die Redaktion eine Trendumkehr sichtbar. Abzuwarten bleibt, wie lange sie anhält.

Noch etwas schwächer zeigt sich der BZ Sonntag: Zwar weist auch er mit neu 21‘002 Exemplaren eine leicht gestiegene Auflage auf (+6,5 Prozent), dies jedoch primär, weil auch er seine Probeabos mit heute 3073 Exemplaren beinahe verdoppelt hat. Bei den bezahlten Abos dagegen verzeichnet er sogar einen Rückgang um gut 200 Abonnenten auf 16‘486 Abos. Einzig am Kiosk wird er leicht stärker verlangt, heute setzte er 433 Exemplare ab, vor einem Jahr waren es noch 410.

Markus Knöpfli

Die Nordwestschweizer Auflagen 2012 in der Übersicht:

Titel            verkaufte Auflage        davon Abos    
Basler Zeitung     68279                    62707
Tageswoche        22580                    18605
BZ + BZ Basel    22463                    17831
BZ Sonntag        21002                    16486

 

Mo 01.10.2012 - 19:55
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