Schwarze Liste: Marktforschung leidet unter Swisscom-Sperre

Meinungsforschungsinstitute sind verärgert, weil die Swisscom sie auf die schwarze Liste unseriöser Anrufer setzt. Umfragen werden so erschwert oder gar verhindert.

Wie die SonntagsZeitung in ihrer aktuellen Ausgabe schreibt, dient der Callfilter, den die Swisscom seit rund einem Jahr anbietet, eigentlich dazu, unseriöse Werbeanrufe zu verhindern. Jedoch befinden sich auf der schwarzen Liste, welche die Swisscom führt, auch renommierte Meinungsforschungsinstitute wie Demoscope oder GFS Bern. Die Tatsache, dass man Swisscom-Kunden weniger gut erreiche, führe zu einem, systematischen Fehler, sagt Stefan Klug von Demoscope. Der Grund: Die Swisscom-Kunden bilden eine spezifische Personengruppe, da zum Beispiel der Anteil Besserverdienender bei diesem Anbieter grösser ist als bei Konkurrenten. Die Folge sind verzerrte Ergebnisse bei wissenschaftlichen Umfragen.

Der Verband Schweizer Markt- und Sozialforschung protestiert gegen das Vorgehen der Swisscom und fordert, dass Institute, die sich an die Verbandsregeln halten, nicht auf der Liste landen. Die Swisscom wiederum entgegnet, dies sei sowieso nicht der Fall – es seien keine Fälle bekannt, in denen der Callfilter Forschungsunternehmen gesperrt habe, die sich an die Regeln – etwa keine Anrufe nach 21 Uhr – gehalten hätten, sagt ein Sprecher zur SonntagsZeitung. Es gebe aber Kunden, die mit einem Einzelfilter individuell Nummern von Umfrageinstituten blockierten.

 

Intransparenter Kriterienkatalog

In der Praxis gestaltet sich die Handhabung aber nicht so transparent, wie es die Swisscom darstellt. So landen Institute anhand eines komplexen Algorithmus, welcher anhand über 100 Kriterien entscheidet, auf der schwarzen Liste. Die Kritierien hält die Swisscom aber geheim. Die Liste ist dynamisch, die Software definiert fortlaufend, welche Nummern gesperrt werden.

Diese Ungewissheit, ob man gerade gesperrt sei, mache die Sache noch schlimmer, so Andreas Schaub von GFS Zürich. Denn so werde es verunmöglicht, den systematischen Fehler behelfsmässig herauszurechnen.

Weiter stören sich die Marktforscher daran, dass die Swisscom dem Bundesamt für Statistik einen Sonderstatus zugesteht. Dessen Umfragen werden von den Filtern privilegiert behandelt. Damit entstehe ein Monopol für hochwertige Umfragen, so die Kritik.

Den Kunden scheint die fragwürdige Filterpolitik der Swisscom egal zu sein. Sie lieben den Callfilter: Seit der Einführung 2016 haben ihn 260'000 Festnetzkunden und 120'000 Mobilkunden aktiviert. Allein im zweiten Quartal 2018 hat Swisscom so 12 Millionen Anrufe blockiert. (hae)

So 05.08.2018 - 16:15

Kommentare

#1

Das "Institut" gfs bern hat sich ja vor allem als gut besoldete Auftragnehmerin von SRG/SRF "hervorgetan", und dabei mit seinen "Momentaufnahmen" (Prognosen fürchtet gfs wie der Teufel das Weihwasser) mehrfach weit vom Schwarzen getroffen. Vielfach hat gfs – je nach Lage – die Wählerschaft mobilisert oder demobilisiert, zufälligerweise m.E. immer zu Gunsten der Linken.
Ich persönlich würde bei gfs bern das Wort "renommiert" nur mit grösstem Widerwillen benutzen. "Bekannt" oder "von SRF und linken Medien privilegiert" würde das Renomée von gfs wohl besser treffen.

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