Luzern will mit neuer Gebühr die Touristenflut eindämmen

Luzern leidet unter den Reisecars, mit denen Massen von Touristen in die Stadt kommen. Eine neue Gebühr soll Besserung bringen.

Ärgernis Schwanenplatz: Reisecars verstopfen die Innenstadt von Luzern (Foto: Attraktiver-schwanenplatz.ch)

Wie die SonntagsZeitung in der aktuellen Ausgabe berichtet, ärgern sich die Bewohner von Luzern zunehmend über die Reisecars, welche die Strassen verstopfen und Reisegruppen in die Altstadt bringen. Dabei geht es in erster Linie um den Schwanenplatz. Die dort angesiedelten Uhrenläden sind beliebte Ziele für asiatische Gäste. Die Cars dürfen den Platz aktuell direkt ansteuern, um die kaufwütigen Reisenden aussteigen zu lassen.

Nun will die Stadt Luzern aktiv werden, um das Problem einzudämmen. Laut Tourismusdirektor Marcel Perren prüft man derzeit eine Gebühr auf Touristenbusse, die am Schwanenplatz anhalten wollen. Möglich sei, dass sie je nach Tageszeit unterschiedlich hoch ist und sich zwischen 20 und 120 Franken bewege, sagt Perren zur SonntagsZeitung. Die Idee für die Gebühr hatte Mitte Jahr die SP.

 

Generelle Gebühr gefordert

Andere Stimmen – beispielsweise der Luzerner Hotelier Fritz Erni – fordern gar eine generelle Gebühr für alle Cars, die nach Luzern wollen. Auch der ehemalige Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid hält das für eine gute Idee – mit Eintrittspreisen könne man den Andrang zu einer Attraktion gut regulieren. «hohe Preise sind der wirksamste Tourismusstopper – das hat die Schweiz ja klar erfahren», sagt er. Er spricht von «Overtourism», der zwar nur punktuell ein Problem sei, aber dort gelöst werden müsse. Man tue in Luzern gut daran, die Touristenströme besser zu lenken, sonst kippe die Stimmung, warnt er. Auch in Interlaken sei dies der Fall. Greife man nicht ein, habe dies Auswirkungen auf das Reiseerlebnis der übrigen Gäste. Dabei bezieht sich das Problem hauptsächlich auf den Gruppentourismus.

 

Lenkung über die Werbung

Dagegen wehrt sich jedoch Tourismusdirektor Perren – man lehne Eintrittspreise für Touristen ab, wolle eine offene, gastfreundliche Stadt bleiben. Auch Daniel Sulzer, Direktor von Interlaken Tourismus, hält Eintrittspreise für «völlig ungeeignet». Er geht andere Wege, um die Ströme zu lenken: Vor zwei Jahren hat Interlaken begonnen, die Werbung für die Sommersaison zurückzufahren. Stattdessen wird vermehrt für die restlichen drei Jahreszeiten geworben. Zusätzlich wurden neue Winter-Angebote geschaffen.

Offener gegenüber der Idee von generellen Eintrittspreisen zeigt sich Schweiz Tourismus. Schmids Nachfolger Martin Nydegger hält die Lenkung über den Preis für ein mögliches Instrument.

Einen komplett anderen Lösungsansatz für die unbefriedigende Situation am Schwanenplatz verfolgt die Initiative «Metro Luzern – für einen attraktiven Schwanenplatz»: Durch den Bau einer U-Bahn soll das Parkplatzproblem und das hohe Verkehrsaufkommen gelöst werden. Die Initiative ist zustanden gekommen und wird dem Stimmvolk vorgelegt.  (hae)

So 09.09.2018 - 12:43
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