Der beste Winter seit Jahren könnte für die Skigebiete eine Trendwende bedeuten

Die Prognosen lagen richtig: Nach teils katastrophalen Jahren erleben die Schweizer Skigebiete aktuell die beste Saison seit langem.

Wieder hoch im Kurs: Schweizer Skigebiete (Foto: Gstaad Saanenland Tourismus).

36 Prozent mehr Gäste im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten die Schweizer Bergbahnen über die Festtage bis Ende Dezember 2017. Dies zeigen Zahlen, die der Verband Seilbahnen Schweiz am Freitag veröffentlichte. Dass diese positive Entwicklung nicht nur auf die desaströse letzte Saison zurückzuführen ist, wird im Vergleich zum Fünfjahresdurchschnitt deutlich: Die Zunahme beträgt 13,6 Prozent.

Blieben die Gästezahlen im Gebiet Engadin St. Moritz im Vergleich zum Vorjahr unverändert (+0%), so kann die Zentralschweiz ein Plus von 73 Prozent und Vals gar eine Zunahme von 130 Prozent verzeichnen.

Eine in der SonntagsZeitung publizierte Studie von Philipp Lütolf, Wirtschaftsprofessor der Hochschule Luzern, besagt, dass die Talsohle durchschritten ist und es weiter aufwärtsgehen wird. Grund für die Hoffnung: Der schwächere Franken macht die Schweiz auch im Ausland konkurrenzfähig und die meteorologischen Bedingungen können fast nicht mehr schlechter werden als in den vergangenen zwei, drei Jahren.

 

Aufschwung könnte Investionen ermöglichen

Der Gästeaufschwung hat einen erheblichen Einfluss auf die Finanzlage der Bergbahnen: Laut Lütolfs Untersuchungen hätten bereits 10 Prozent Skifahrtage mehr zur Folge, dass zahlreiche Skigebiete wieder die nötigen Investitionen tätigen könnten – etwas, was in den vergangenen Jahren vielerorts nicht einmal ansatzweise aus eigener Kraft möglich war. Der aktuelle Winter könnte hier eine Trendwende bedeuten und den Skigebieten wieder die notwendige Rendite von mindestens 3 Prozent bescheren.

Die angestrebten 10 Prozent mehr Gäste anzulocken ist jedoch schwierig. Die Gäste kommen nicht mehr eine ganze Woche, sondern punktuell wenige Tage. Dies vergrössert die Abhängigkeit von Wetter und Schneeverhältnissen. So hat denn etwa der Sturm Burglind dafür gesorgt, dass laut Gstaad-Geschäftsleiter Matthias In-Albon der Saisonauftakt nicht «traumhaft», sondern lediglich «gut» war, wie dieser gegenüber der SonntagsZeitung erklärt.

In-Albon fordert, bedrohte Skigebiete müssten zusammenarbeiten, wie etwa die vier grossen Berner Oberländer Regionen Adelboden-Lenk, Jungfrau-Region, Meiringen-Hasliberg und Gstaad-Zweisimmen, die diesen Winter ein gemeinsames Saisonabo für 666 Franken lancierten. Laut In-Albon sei die Kooperationsbereitschaft bei vielen Regionen aber noch gering – die Not und der Leidensdruck seien wohl noch nicht gross genug, vermutet er.

 

Preisdumping ist keine Lösung

Einigkeit herrscht in der Branche aber bezüglich der Ablehnung von Aktionen wie derjenigen von Saas-Fee vor zwei Jahren, als via Crowdfunding ein Saisonabo für 222 Franken gekauft werden konnte. Dies schade allen Bergbahnen, ist Samuel Rosenast von Davos Klosters Tourismus gegenüber der SonntagsZeitung überzeugt. Mehr Gäste nützten nur, wenn das Wachstum nicht durch Preiszerfall erkauft würde. Laut Philipp Lütolf könnte eine gute Saison 2017/2018 dafür sorgen, dass der Druck für weitere Preisreduktionsaktionen abnimmt. (hae)

So 07.01.2018 - 12:23
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