Bärenpark soll Sommertourismus in Arosa ankurbeln – und für die Zukunft rüsten

Arosa erhält einen Park für geschundene Bären. Das freut nicht nur die neuen Bewohner der Anlage, sondern auch die Tourismusorganisationen.

Am Dienstag präsentierten Arosa Tourismus, die Tierschutzorganisation Vier Pfoten und die örtlichen Bergbahnen das Konzept für das Bärenland Arosa. Diesem hatte die Bevölkerung im November 2016 an der Urne grünes Licht gegeben.

Bewohnen sollen das 2,8 Hektar grosse Freigehege, das bis im Juli 2018 fertiggestellt werden soll, ehemalige Tanz- und Zirkusbären, die Vier Pfoten in Süd- und Westeuropa aus der misslichen Gefangenschaft befreit. Sogenannte «Problembären», die in der Vergangenheit erlegt wurden, werden auch in Zukunft nicht im Park angesiedelt, wie Co-Projektleiter Hans Schmid gegenüber Blick erklärt: «Wildbären einzuschliessen ist sehr umstritten».  Auch Jungtiere wird es nicht geben – das Bärenland Arosa werde eher «ein Altersheim für misshandelte Tiere», sagt Schmid.

 

Hier entsteht der Bärenpark (Foto: Arosa.ch)

 

Auf das Bärenland freuen sich nicht nur die geschundenen Bewohner, sondern auch die Bevölkerung und vor allem der Tourismus. Ausgestattet mit zusätzlichen Attraktionen wie Lehrpfade, Minigolf, Themen-Spielplatz und Aussichtsplattform soll das Projekt zahlreiche neue Gäste ins Bündnerland locken.

Dies vor allem auch im Sommer, denn aktuell besuchen 90 Prozent aller Gäste die Region im Winter. Das Bären-Altersheim soll den Anteil der Sommergäste von 10 auf 30 Prozent erhöhen, wie Tourismusdirektor Pascal Jenny zum Blick sagt. «Wir hoffen auf ein schnelles Go für die Baubewilligung», wünscht er sich deshalb.

 

«Schnee-Kultur» wird verschwinden

Von der Notwendigkeit und dem Effekt auf den Sommertourismus ist auch Co-Projektleiter Stephan Oetiker überzeugt. Weltweit nehme zwar die Anzahl Touristen stetig zu, der Bergtourismus verliere aber, zeigte er bei der Informationsveranstaltung im vergangenen September auf. Die neuen Touristenmagnete seien unter anderem die Städte. «Dieser Makrotrend ist ein Aufruf zu Veränderung, zu Innovation», mahnt er. Der zweite Makrotrend – überdurchschnittlich stark steigende Temperaturen – führe zu Makrotrend drei: weniger Schnee. So dürfte die mittlere Schneehöhe in 1500 Metern Höhe am Ende des 21. Jahrhunderts um rund 85 Prozent abgenommen haben, auf 2500 Meter sind es immer noch 35 Prozent. Durch diese Entwicklung gehe mit der Zeit bei der Bevölkerung auch die «Schnee-Kultur» verloren. Bedeutet: Früher oder später spielt es für die Berggebiete gar keine Rolle mehr, wie viel Schnee vorhanden ist, weil es die meisten Menschen gar nicht mehr interessiert. «Der Breitensport Skifahren wird in 50, 60 Jahren nicht mehr existieren in der Schweiz», ist Oetiker überzeugt.

 

Aus der Not eine Tugend machen

Diese Entwicklung sei aber für Arosa eine grosse Chance, sofern man bereit sei, gewisse Innovationen zu ermöglichen. Kombiniert mit einem starken Angebot im Sommer, das verschiedene Zielgruppen anspricht, sei man damit bestens gerüstet für einen Tourismus, den es heute gar noch nicht gebe: Den Hitzetourismus. «Ich garantiere Ihnen, die Leute, die heute Paris und London besuchen, werden in 30 Jahren nicht mehr dorthin gehen!». Denn dort betrage dann in den Sommermonaten die Durchschnittstemperatur 42 bis 45 Grad. «Die Leute werden in die Berge strömen», prophezeit Oetiker. «Nicht nur der Berge wegen, sondern primär, um die tieferen Temparaturen zu geniessen».

Der Bärenpark in Arosa ist eines derjenigen Projekte, welche die Bergregion für die Zukunft rüsten und optimal aufstellen soll. Ein «Jahrhunderprojekt», wie es von den Verantwortlichen bezeichnet wird. Glaubt man den Ausführungen Oetikers, könnte für die Schweiz die erzwungene Verschiebung vom Winter– zum Sommertourismus zur grossen Chance werden.

 

«Erlebnis der Spitzenklasse»

Nachvollziehbar, dass sich für das Bären-Projekt im Vorfeld auch Schweiz Tourismus stark gemacht hat. «Ich bin überzeugt, dass sich das starke Thema «Bär» in Arosa in touristische Wertschöpfung umsetzen lassen wird», sagt Direktor Jürg Schmid auf dem Portal Arosa.tv. «Das Bärenland ist eine Innovation, da es ein Tier mit einem Mythos in eine traumhafte Bergwelt bringt – ein Erlebnis der Spitzenklasse.» Tourismus sei eine Erlebnis-Industrie. «Man muss den Menschen Gründe geben, zu reisen», ist Schmid überzeugt. 

Mit Projekten wie dem Bärenland bietet das Reiseland Schweiz den Gästen diese Gründe schon Jahrzehnte vor dem sich anbahnenden Hitzetourismus.  (hae)

Mi 19.04.2017 - 14:15

Kommentare

neuen Kommentar schreiben

Klartext

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Web page addresses and email addresses turn into links automatically.
CAPTCHA
This question is for testing whether or not you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.