Regeln für Schul-Sponsoring

Bisher war Sponsoring an Schulen nicht geregelt. Das ändert sich nun.

Goldauer Schülerinnen und Schüler erhalten Pausenmilch (Foto: Swissmilk)

Geschenke, Lehrmittel, Arbeitsblätter – immer mehr Firmen und Verbände entdecken Schul-Sponsoring als lukratives Marketinginstrument. So hat beispielsweise der Milchverband Swissmilk am Donnerstag beim jährlichen Pausenmilchtag 360'000 Schulkindern ein Glas Milch verteilt. Angepriesen wurde das Getränk als «gesunde Alternative zu Süssgetränken und Snacks».

Bisher gab es keine Regelung betreffend Sponsoring an Schulen. Das ändert sich nun, wie die Sonntagszeitung in der aktullen Ausgabe schreibt: 19 Unternehmen haben eine Charta unterschrieben. Diese wird am Dienstag vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz vorgestellt.

Die Firmen verpflichten sich dabei zu mehr Transparenz und Datenschutz. So soll künftig beispielsweise auch geregelt werden, was passiere, wenn Eltern mit Sponsoring-Massnahmen – zum Beispiel die Pausenmilch – nicht einverstanden seien.

Die Charta betrifft auch Firmen, die sich im Zuge der Digitalisierung vermehrt an Schulen «breit machen»: Microsoft zum Beispiel sponsert Software und Onlinespeicherplatz – ohne Gegenleistung. Samsung stellt seit längerem Tablets zur Verfügung. Gegenleistung: Schulen müssen bei Evaluationen mitmachen, welche Samsung Rückschlüsse geben über künftige Trends an Schulen.

 

Tablets, Kondome, Broschüren

Die Digitalisierung ist auch an Schulen nicht aufzuhalten. Entsprechend gross ist das Interesse der Informatikfirmen, sich früh genug zu etablieren und vorzugeben, welche Geräte und Programme in Zukunft verwendet werden. Sie profitieren davon, dass im Informatikbereich noch nicht genügend Lehrmittel vorhanden sind.

Das gilt auch für andere Lehrbereiche – zum Beispiel den Sexualunterricht. Da kein Budget für Kondome vorhanden ist, liefern Kondomfirmen Muster für die Sexualkunde.

Auch Pharmafirmen breiten sich an Schulen aus. Oft wird beispielsweise eine Broschüre der Firma MSD über den ersten Besuch beim Frauenarzt als Unterrichtsmaterial eingesetzt, weil keine «offiziellen» Alternativen existieren. Die Materialien vom Bundesamt für Gesundheit seien oft nicht umfassend, sagt Marina Costa von der Zürcher Fachstelle Lust und Frust zur Sonntagszeitung. Ressourcen, die Lehrmittel herzustellen, hätten die Schulen je länger, je weniger. Damit nehme der Anteil der Gratisprodukte zu. (hae/SoZ).

Foto: Swissmilk.ch

So 06.11.2016 - 11:44
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