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16.06.2010
Printausgabe

Diamanten für den Lokaljournalismus

Franziska von Weissenfluh, die Geschäftsführerin der Fondation Reinhardt von Graffenried erläutert im Gespräch mit Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier die Details des neuen Medienpreises.

Franziska von Weissenfluh, die Geschäftsführerin der Fondation Reinhardt von Graffenried erläutert im Gespräch mit Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier die Details des neuen Medienpreises.
WW: Wie kam man dazu, aus dem BZ-Preis für ¬Lokaljournalismus einen nationalen Medienpreis zu machen?
Antwortender: Der Ursprung des Preises war, dass die Berner Zeitung sich vor 25 Jahren mit dem BZ-Preis für Lokaljournalismus national Gehör verschaffen wollte. Dies gelang ihr denn auch über Jahre sehr erfolgreich. Nachdem Tamedia die Espace Media 2007 übernahm, zeigte sich, dass nicht mehr dasselbe Interesse für diesen Preis vorhanden war. Es gab aber auch noch einen weiteren Grund: Solange die BZ hinter dem Preis stand, machten nicht alle Zeitungen mit. Es war halt in deren Augen ein BZ-Anlass. Obwohl es uns immer sehr wichtig war, dass der Lokaljournalismus im Zentrum stand, empfanden einige Zeitungen den Preis als PR-Veranstaltung und berichteten gar nicht darüber – ausser wenn ihre eigenen Journalisten gewonnen hatten.

All diese Gründe gaben uns die Möglichkeit, den Preis und die Veranstaltung zu überdenken und neu zu positionieren. Charles von Graffenried und Erwin Reinhardt unterhielten bereits eine gemeinsame Stiftung. Sie stockten das Stiftungskapital auf und sie beschlossen, neu einen nationalen Medienpreis zu lancieren. Den Fotopreis gab es vorher schon, er wurde mit Unterstützung von Michael von Graffenried, dem Sohn von Charles von Grafenried, vor 20 Jahren lanciert.

WW: Wird der Preis alle Medien umfassen?
Antwortender: Ja, der Preis wird künftig in allen Medienkategorien verliehen, denn es gibt keinen Grund, nur den Print-Journalismus zu fördern. Der Stiftungszweck wurde entsprechend erweitert. Es gibt jetzt also neben der ¬Kategorie Print und der Pressefotografie auch die Kategorien Radio, Fernsehen und Online.
WW: Wie hoch ist die Preissumme?
Antwortender: Wir haben die Preissumme erhöht. Die Sieger in den einzelnen Kategorien erhalten je 20'000 Franken, bei der Kategorie Foto gibt es zudem noch fünf Spezialpreise, die mit je 2'000 Franken dotiert sind.
WW: Welche Stellung will der Medienpreis einnehmen?
Antwortender: Wir haben weder kommerzielle noch verlegerische Absichten. Wir wollen den Lokaljournalismus fördern und in den Mittelpunkt stellen. Der Lokaljournalismus ist eigentlich die «Krönung» innerhalb der verschiedenen Ressorts in den Massenmedien. Jedes Medium, das besonderen Wert auf das lokale Geschehen legt, wird auch in Zukunft seine Leser-, Hörer-, Seher- und Userschaft mit eigenen fundierten und sorgfältig aufbereiteten Lokalgeschichten an sich binden. Der Lokaljournalist muss fachlich und qualitativ gut ausgebildet sein, er muss ein ausgeprägtes Feingefühl haben, damit die Menschen in der Region ihm vertrauen und sich auf ihn verlassen können. Oft wohnt und lebt er ja auch in derselben Region, man kennt ihn.

Eine unabhängige Jury soll die Preisträger auswählen. Bei allen anderen Medienpreisen steht ein Unternehmen, ein Verlag oder ein Verband dahinter. Unser Preis hingegen ist total unabhängig. Deshalb soll dieser Medienpreis auch der Preis und die Preisverleihung werden. Die Preisverleihung wird weiterhin in Bern stattfinden, denn sowohl Charles von Graffenried wie Erwin Reinhardt sind von Bern. Sie wird erstmals am 8. April 2011 stattfinden. Details verraten wir noch keine. Nur so viel: Es wird keine klassische Preisverleihung mit Gast¬redner und musikalischer Umrahmung sein. Es wird ein sehr spezieller Anlass, von dem man reden wird.

WW: Wie setzt sich die Jury zusammen?
Antwortender: Es war nicht einfach, die Jury zusammenzustellen. Die Jury-Präsidenten der einzelnen Kategorien waren gefordert. Wir vergeben nationale Preise, es müssen also Deutschschweizer, Westschweizer und Tessiner in der Jury vertreten sein. Es müssen Leute sein, die in ihrem Bereich top sind. Wir wollten keine Jury von Branchenkollegen, die einfach mal so zusammensitzen. Wir wollten professionelle, gute Leute. Es war zum Beispiel sehr schwierig, im Tessin überhaupt genügend Jury-Mitglieder zu finden. Bei den Gewinnern wird es keine Quote nach Sprachgebiet geben. Der Beste soll gewinnen und die Jury soll so lange streiten, bis der Beste pro Kategorie gekürt ist. Daher auch unser Anspruch an den Preis. Wer unseren Preis gewinnt, der kann stolz sein und weiss, dass er/sie eine besondere Leistung vollbracht hat. Darum heisst der Preis auch Diamant.
WW: Welche Arbeiten sind berechtigt zur Teilnahme?
Antwortender: Die Beiträge müssen zwischen 1. Januar 2010 und 31. Dezember 2010 erschienen sein. Das Thema ist frei, die einzige Bedingung ist, dass es sich um ein lokales Thema handelt. Auch das Schweizer Radio und das Schweizer Fernsehen können teilnehmen, falls es sich um wirklich lokal ausgerichtete Geschichten handelt.
WW: Es gibt neuerdings auch sogenannte Scouts, was bezwecken Sie damit?
Antwortender: Eingereicht werden die Beiträge durch die Journalisten. Wir wollen aber auch, dass sich zum Beispiel auch die Chefredaktoren dafür einsetzen, dass ihre Journalisten Beiträge einreichen. Ferner können auch Drittpersonen aus dem Journalismus Beiträge melden, von denen sie meinen, die müssten auch juriert werden.
WW: Wie viele Einsendungen erwarten Sie?
Antwortender: Im Print hatten wir bis anhin bis zu 80 Beiträge. Am ¬unsichersten sind wir im Bereich Online, denn dort gab es bis jetzt noch nichts. Bei Radio und Fernsehen denken wir so an 40 bis 50 Beiträge. Wir denken, dass jeder Sender so drei bis vier Beiträge einreichen wird.

Interview: Pierre C. Meier



Über die Stiftung
Die Fondation Reinhardt von Graffenried richtet ihren Fokus und Stiftungszweck auf die Förderung und Unterstützung des lokalen schweizerischen Medienschaffens sowohl in Print- als auch in den elektronischen Medien. Die Stiftung verfolgt keinerlei Erwerbszwecke und ist verlagsunabhängig. Begründer und Stifter der Fondation Reinhardt von Graffenried sind Franziska und Erwin Reinhardt-Scherz sowie Charles von Graffenried. Die Fondation wurde von den zwei Stifterfamilien aus dem Bekenntnis zur Förderung und der Wertschätzung des lokalen schweizerischen Medienschaffens gegründet. Die Stiftung ist mit 11 Millionen Franken dotiert. Erwin Reinhardt und Charles von Graffenried nehmen Einsitz in den Stiftungsrat. Stiftungsratspräsident ist Guido Albisetti, CEO der von Graffenried Gruppe, die Geschäftsführung liegt bei Franziska von Weissenfluh Stäheli.

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11/2010

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