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05.12.2014
Marketing & Kommunikation

«Eine Hommage an den Schweizer Humor»

Was passierte wirklich unter Reto Lölis Bettdecke? Und was sagt die verantwortliche Wiener Agentur Demner, Merlicek & Bergmann eigentlich zum Löli-Gate? Partner Harry Bergmann stellt sich den Fragen.

Die Wogen schlagen hoch. Reto, der Sohn der für Media Markt werbenden Familie Löli, ist (vermeintlich) in einem der Werbespots beim Masturbieren zu sehen. Nun musste die Werbung aufgrund einiger Prosteste abgesetzt werden (Werbewoche.ch berichtete). Doch Reto selbst versteht die Unruhe um seine Aktivitäten überhaupt nicht, wie er über die verantwortliche Agentur Demner, Merlicek & Bergmann ausrichten lässt: «Ich mache doch nur das unter Decke, was viele andere auch machen!». Um die Bevölkerung zu beruhigen, gibt die Agentur daher jetzt die Antwort auf die Frage, was wirklich unter der Decke des Teenagers passiert. Sehen Sie hier den exklusiven Videobeweis:



Ob diese Auflösung die erregten Gemüter wirklich zu beruhigen vermag, sei dahingestellt. Was es wirklich mit den Skandal-Lölis auf sich hat – wir haben in Wien nachgefragt. Die unabhängige, inhabergeführte Agentur Demner, Merlicek & Bergmann beschäftigt 136 Mitarbeitende und hat 39 Kunden aus 13 europäischen Ländern. Einer davon ist Media Markt Schweiz. Die erfolgreiche Agentur führt unter anderem das Effie-Ranking im deutschsprachigen an Raum an.

Harry Bergmann stiess 1976 zu der sieben Jahre zuvor von Jan Demner und Franz Merlicek gegründeten Kreativschmiede. Als Partner und Mitglied der Geschäftsleitung stellt er sich den sieben wichtigsten Fragen zum Löli-Gate.

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Werbewoche: Herr Bergmann, in der Schweiz steht Ihre Löli-Kampagne zur Zeit unter Beschuss: Media Markt nimmt den Masturbationsspot aus dem Programm. Haben Sie als Agentur diesen Schritt bewusst in Kauf genommen oder gar kalkuliert?
Harry Bergmann: Hätten wir von Anfang an gezeigt, was wirklich unter der Decke passiert, dürfte ich jetzt diese Frage nicht beantworten. Und ob man ein Interview mit der Werbewoche wirklich kalkulieren kann, sei dahingestellt.

Der Schweizer Werber und ADC-Präsident Frank Bodin wirft der Kampagne vor, die sexuelle Provokation stehe weder mit der Marke Media Markt noch mit der Kommunikationsidee im Einklang. Hat er recht?
Honi soit qui mal y pense.

Wie kamen Sie als Wiener Agentur überhaupt zur «Ehre», die neue Schweizer Nerv-Familie zu entwerfen?
Wir haben die Ehre, seit der Eröffnung der beiden ersten Schweizer Media Märkte Leadagentur zu sein. Und diese Ehre mussten wir mehrmals gegen die renommiertesten Schweizer Agenturen verteidigen.

Hat man die Lölis auch mit etwas Schadenfreude auf den westlichen Nachbarn losgelassen – als Retourkutsche für die vielen alpinen Ski-Niederlagen in den letzten Jahren vielleicht?
Als ehemalige Monarchie sind wir im Besitz einer schier unendlichen Flotte von prachtvollen Retourkutschen. Dass eine davon in Richtung Schweiz das Schengen-Gebiet verlassen hat, ist uns leider nicht bekannt. Wir als Österreicher sehen die Kampagne aber auch eher als Hommage an den Schweizer Humor, den wir über die Jahre sehr zu schätzen gelernt haben.

Was viele brennend interessiert: Wieso spricht der Vater baseldeutsch? Sind die Lölis Basler?
Ein Arbeitskollege von Papa Löli ist tatsächlich Basler. Und da muss wohl irgendwie der Akzent abgefärbt haben. Wo die Lölis allerdings herkommen, konnten wir - trotz mehrmaliger persönlicher Nachfrage - nicht in Erfahrung bringen.

In der Südschweiz wählte man für die Lölis den Namen «Baluba», der sich im Nachhinein als etwas unglücklich herausstellte. Wie kam man auf diesen Namen?
Sagen wir so: Da hat leider irgendein Löli einen Fehler gemacht.

Als erstes Fazit: Sind Sie – trotz oder gerade wegen des eisigen Gegenwindes, der den Lölis entgegenschlägt – zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Kampagne?
Der eisige Wind, den Sie verspüren, hat mehr mit der Jahreszeit als mit der Kampagne zu tun. Was nun die Zufriedenheit mit der Kampagne betrifft: Wir sind zufrieden, dass über die Kampagne offensichtlich mehr gesprochen wird als über alle anderen derzeit laufenden Kampagnen in der Schweiz. Wir sind zufrieden mit der grossen Anzahl derer, die die Lölis lieben. Ja, wir sind sogar zufrieden mit der grossen Anzahl derer, die die Lölis nicht lieben. Weil die Lölis die Anti-Welt des Media Markt verkörpern. Aber wir stehen nicht an zu versprechen, dass wir Joysticks im Laufe der Kampagne nur mehr über der Gürtellinie verwenden lassen.

Interview: Thomas Häusermann


 

Externe Links:
www.dmb.at

Tags:
Marketing & Kommunikation

Bewertung:

 

Schweizer Media Markt Kampagne

Herzlichen Glückwunsch Herr Bergmann. Solche Old School Werbung hat schon zu Ihrer Zeit nicht funktioniert.

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