Die Lidl-App für Kinder ist ein Erfolg – und erst der Anfang

Die Detailhändler halten Einzug auf den Smartphones der Kinder. Aus gutem Grund. Eine heikle Entwicklung, wie die SonntagsZeitung aufzeigt.

«My Lidl Switzerland» heisst die App, welche den Aufbau eines Ladengeschäfts ermöglicht und seit kurzem kostenlos in den App-Stores verfügbar ist (Werbewoche.ch berichtete). Das aus dem deutschen Markt für die Schweiz adaptierte Spiel ist offenbar ein Erfolg, wie eine Sprecherin gegenüber der SonntagsZeitung verrät: Über 8000 mal sei die App bisher heruntergeladen worden. Sie belegt in den Stores den ersten Platz.

 

Alle drängen auf die Smartphones der Kinder

«Ein Meisterstück» nennt Wirtschaftspsychologe Christian Fichter Lidls erfolgreiche Bemühungen, es auf die Smartphones der jüngsten Kunden zu schaffen. Ein Ziel, an dem viele Unternehmen tüfteln. Weil Kinder immer früher ein eigenes Smartphone erhalten, werden sie zur enorm attraktiven Zielgruppe, deren Daten Gold wert sind. Kinder sind aus Marketing-Sicht so interessant, weil sie einerseits viele Kaufentscheide der Eltern massgeblich beeinflussen und andererseits, weil sie die Kunden von morgen sind und folglich so früh wie möglich an Unternehmen «gebunden» werden sollen.

Sind die Apps und Spiele, mit denen die Unternehmen die Kinder für sich begeistern wollen, aktuell noch harmlos, was die Datenauswertung betrifft, könnte sich in Zukunft einiges ändern. Noch wird viel experimentiert. Kämen jedoch die in den letzten Jahren entwickelten Algorithmen zum Einsatz, rolle «ein Tsunami an Data-Mining bei Kindern auf uns zu», warnt Fichter.

Kein Zufall also, dass auch die Migros mit ihrer Play-App bereits mehr als ein Bein in der Smartphone-Welt der Kinder hat und immer stärker auf Technologie setzt. Das Unternehmen macht über Virtual Reality Supermärkte als Abenteuerspielplätze erlebbar und verbindet die erfolgreichen Hörspiele mit der App.

 

 

Digitalisierung erschwert Kontrolle

Sowohl Lidl wie auch Migros betonen, über die Apps keine personenbezogenen Daten zu erheben. Christian Fichter entgegnet jedoch, die Entwicklung von personalisierter Werbung für Kinder sei auch so durchaus möglich. Umso heikler, denn Werbung, die sich an Kinder richtet, ist aus ethischer Sicht ohnehin umstritten, da die Werte und Impulskontrollen dieser Zielgruppe noch nicht ausgeprägt sind.

Immer ausgeklügelter werde das Marketing für diese hochprofitable Zielgruppe, beobachtet auch Konsumentenschützerin Sara Stalder. «Die Digitalisierung erschwert die Kontrolle, denn eine Übersicht darüber zu behalten, ob fair geworben wird, gestaltet sich angesichts der zahlreichen Werbekanäle immer schwieriger», sagt sie gegenüber der SonntagsZeitung.

Warnende Töne auch von Wirtschaftspsychologe Fichter. Dieser sieht Handlungsbedarf zum Schutz der Kinder, will den Konsumenten- und Datenschützern mehr Mittel und Unterstützung geben. Zwischen Firmen und der Gesellschaft werde nun ausgehandelt, was mit den neuen Technologien noch möglich sei, sagt er. «Wir müssen uns gegen den Tsunami wappnen.» (hae/SonntagsZeitung)

So 13.05.2018 - 12:42
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