Zürcher Startup geht mit spezieller Hülle gegen Smartphone-Stress vor

Digital Balance – nicht nur Apps helfen, einen gesunden Online-Umgang zu finden. Ein Zürcher Startup bietet nun auch eine physische Lösung.

Martin Bütler, Lennard Behrmann und James Rushton (v.l.) bilden das Team von LeBehr.

Gemäss einer Studie, die im Journal of Affective Disorders (2017) publiziert wurde, kann ein problematischer Umgang mit dem Smartphone zu Stress und Depressionen führen. Im Umkehrschluss führt ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Smartphone, auch unter dem Begriff «digital Balance» zusammengefasst, zu einem ausgeglichenen und glücklicheren Leben.

Das Zürcher Startup LeBehr hat im Oktober als erstes Produkt ein Mobile-Case lanciert, das dem Benutzer erlaubt, komplett Offline zu sein. Das Produkt soll dem Mobiltelefonnutzer die Wahl geben, wann er mit dem Netzwerk und der Welt verbunden sein will und wann er seine Ruhe haben möchte. Die Hülle blockiert jegliche Verbindung zur Aussenwelt.

 

 

«Wir leben in einer Welt, in der das Bedürfnis wächst, mehr Kontrolle über die eigene Zeit, Privatsphäre und Daten zu haben, um sich bewusst wieder auf die Dinge zu konzentrieren, die einem am wichtigsten sind» sagt James Rushton, CEO und Gründer von LeBehr.

Wieso nicht einfach den Flugmodus einschalten? Braucht es dazu eine spezielle Hülle? «Personen die den Flugmodus regelmässig brauchen, sind auf dem richtigen Weg», sagt Martin Bütler von LeBehr auf Nachfrage der Werbewoche. Allerdings biete der Flugmodus nicht komplette Ruhe – so blieben gewisse Funktionen wie das GPS-Tracking, Updates und Kalendermeldungen weiterhin eingeschaltet und könnten die Ruhe stören.

 

 

Bütler weist aber auch auf die psycholgischen und sozialen Vorteile einer Offline-Hülle hin: «Die einfache Handhabung erleichtert die Entscheidung und das Produkt erinnert die Personen regelmässig daran, komplett offline zu gehen.» Weiter signalisiere die Verwendung des Cases den Personen im Umfeld, wie sehr man ihre Zeit schätzt – eine klare Geste, dass man Offline ist.

Das Konzept der «radikalen» Offline-Kur könnte durchaus Anklang finden. «Das erste Feedback von unseren Kunden bestärkt uns in unserer Annahme, dass sie durch die Verwendung des Case deutlich mehr Zeit offline verbringen, was uns natürlich freut», so Bütler.

Es drängt sich noch die Frage nach dem Batterieverbrauch auf. Wird der Akku nicht schneller leer, wenn das Smartphone dauernd versucht, einen Empfang herzustellen? Bütler winkt ab: «Der Akku wird durch die Verwendung unserer Hülle kaum beeinträchtigt, da das Handy nach kurzer Zeit merkt, dass es keinen Empfang mehr hat und so in eine Art «Schlafmodus» schaltet.» Das beschriebene Problem trete nur bei sehr alten Handys auf oder wenn das Gerät einen schlechten Empfang habe.

 

Apps unterstützen die Offline-Zeit

Neben diesem physischen Problemlösungsansatz, gibt es mehrere Smartphone Apps, die sich dem Thema widmen. Offtime aus Deutschland hilft dem Benutzer, sich selbst auferlegte Pausen vom Handy einzuhalten.  Die norwegische Firma Hold hat eine App lanciert, welche Studenten mit Gutscheinen entlohnt, wenn sie ihr Smartphone für mehr als 20 Minuten nicht benutzen. Das Thema digital Balance wird auch von der in den USA gestarteten Bewegung #devicefreedinner forciert, welche Ende Oktober 2017 mit einer Youtube-Serie mit Will Ferrel auf den bewussten Umgang mit Smartphones aufmerksam gemacht hat (Werbewoche.ch berichtete). (hae)

Fr 10.11.2017 - 09:47

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