Werbung für sich selbst

Die Laudatio von Thomas Wildberger auf seinen Nachfolger Dennis Lück.

Thomas Wildberger (l.) und Dennis Lück (Foto: hae/Werbewoche).

 

Lieber Dennis,

Jean-Remy von Matt hat mal zu mir gesagt, dass der Hauptgrund, weshalb er mich damals eingestellt hat, meine Bewerbung war. Denn das Schwierigste in unserem Beruf sei, Werbung für sich selber zu machen. Nur wer das könne, der könne auch für seine Kunden kreativ sein.

Die letzten Wochen haben eindrucksvoll gezeigt, was es heisst, Werbung für sich selber zu machen. Doch bevor ich zu dir komme, lieber Dennis, möchte ich zuerst allen zukünftigen Anwärtern auf das Amt des «Werbers des Jahres» noch ein paar Tipps geben. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Wenn ihr es nächstes Jahr also wirklich schaffen wollt, dann empfehle ich, dass ihr euch frühzeitig, am besten schon ab nächster Woche, in Stellung bringt.

Erst mal solltet ihr ein Wahlkampfteam zusammenstellen. Ideal dafür wäre die Agentur, in der ihr arbeitet. Die kann nämlich gleich mal die ganzen Schrott-Kampagnen von der Website löschen, die ihr in der Vergangenheit gemacht habt. Alte Verfehlungen können einem in digitalen Zeiten sonst nämlich ganz schnell um die Ohren fliegen.

Ab sofort sollten auch nur noch Pressefotos von euch eingesetzt werden, auf denen ihr nicht zu brav, aber auch nicht zu arrogant, dafür immer etwas selbstlos und leicht demütig ausseht. Gute Statements, die dazu immer funktionieren: «Ich fühle mich geehrt», «Alle Nominierten haben es verdient zu gewinnen» und «Der Titel wäre eine Auszeichnung für die ganze Agentur».

Für den ganz grossen Stimmenfang, denn was sind schon 5000 Facebook-Freunde, begibt sich der zukünftige «Werber des Jahres» am besten für ein, zwei Stündchen in eine belebte Fussgängerzone. Er stellt sich unter einen bunten Sonnenschirm und verwickelt mit Hilfe von Kaffee und selbstgemachten Keksen die Passanten in kurze Gespräche. Dabei sollten auch Luftballons in den Farben der jeweiligen Agentur und mit eurem Konterfei darauf nicht vergessen werden. Damit können vor allem jüngere Wähler überzeugt werden. Schliesslich ist keiner zu klein, sich für ein Newsletter-Abo der Werbewoche zu registrieren.

Da der Titel «Werber des Jahres» gewissermassen einem öffentlichen Amt gleichkommt, müsste das Schweizer Fernsehen gratis einige Wahlkampf-Sekunden zur Verfügung stellen. Idealerweise sollte jeder Nominierte die Möglichkeit haben, hinter den eigenen im Werbeblock geschalteten Spots darauf hinzuweisen, dass das eben Gesehene sein Werk war, und es entsprechend zu kommentieren: «Wenn Ihnen mein Spot gefallen hat, dann wählen Sie mich bitte zum ‹Werber des Jahres›, ich werde Ihnen dafür garantieren, dass Werbefernsehen in Zukunft wieder mehr Spass machen wird.»

Lieber Dennis,

ich habe eine sehr, sehr gute Nachricht für dich: Der ganze Wahlkampf wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Mir, und ich weiss, damit bin ich nicht alleine, war von Anfang an völlig klar, wer dieses Jahr «Werber des Jahres» werden muss, nämlich du.

Du bist zwar nicht besser als Johannes, auch nicht als David, und auch nicht als Livio. Aber du hast es letztes Jahr einfach einen Tick besser gemacht als die anderen. Du hast mit innovativen Kampagnen gezeigt, dass die beste Werbung für einen selber immer noch die Werbung selbst ist.

Lieber Dennis, ich freue mich, dass du mit deinen Arbeiten gewonnen hast. Du hast es nicht anders verdient.

 

Thomas Wildberger ist CEO von Publicis und «Werber des Jahres» 2016. Bei der Preisverleihung hält der Vorjahres-Preisträger traditionell eine Laudatio auf seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin.

 

 

Do 18.05.2017 - 13:36

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